Veröffentlicht am 1. August 2026

20 Jahre Schluchtenwanderweg Opponitz

Wie aus einer Idee ein touristisches Erfolgsprojekt wurde

Rudi Kefer und Berit Picker im Gespräch mit Adi Tazreiter, freie Redakteurin des „Ybbstalers“  zVg

Mit einem Festakt wurde am 11. Juli das 20-jährige Bestehen des Schluchtenwanderweges und der Schluchtenhütte gefeiert. Den Auftakt bildete ein Dankgottesdienst beim Gipfelkreuz am Leoferer Stein mit Pfarrer Hans Wurzer, musikalisch umrahmt von der Singgruppe Hollenstein. Beim anschließenden Frühschoppen in der Schluchtenhütte ließ der ehemalige Obmann des Tourismusvereins Rudi Kefer die Entstehungsgeschichte des beliebten Ausflugsziels Revue passieren.

Für den „Ybbstaler“ traf sich die freie Redakteurin Adi Tazreiter wenige Tage später mit Rudi Kefer, der gemeinsam mit dem damaligen Grundeigentümer Hermann Kronsteiner das Projekt maßgeblich vorantrieb, sowie mit Tourismusvereinsobfrau und Hüttenwirtin Berit Picker.

Eine Zukunftswerkstätte als Ausgangspunkt 

„Begonnen hat eigentlich alles mit einer Zukunftswerkstätte in Opponitz“, erinnert sich Rudi Kefer. Damals wurden Arbeitsgruppen gebildet, um Ideen für die touristische Weiterentwicklung der Gemeinde zu entwickeln. Seine Gruppe beschäftigte sich mit dem Thema „Opponitz – ein Ort, in dem sich Gäste und Einheimische wohlfühlen“.

Nach bereits umgesetzten Projekten wie dem Fischerdorf und der Naturrodelbahn sollte eine weitere Attraktion entstehen. Gemeinsam mit der damaligen Kirchenwirtin Hannelore Aigner leitete Kefer die Arbeitsgruppe. In zahlreichen Brainstorming-Sitzungen kristallisierte sich schließlich – gemeinsam mit Hermann Kronsteiner vom Hause Oberdippelreith – die Idee eines Schluchtenwanderweges mit einer bewirtschafteten Hütte heraus.

Am 12. Juni 2005 machte sich eine Gruppe engagierter Opponitzerinnen und Opponitzer auf den Weg, um den damaligen „Romantikrundwanderweg Oberdippelreith“ zu erkunden. Mit dabei waren Rudolf und Susanne Kefer, Hannelore Aigner, Doris Spanring, Waltraud Schweiger, Helga Blaimauer, Franz Rosenberger, Alfred und Traudi Pitnik, die Eigentümer Hermann und Traudi Kronsteiner, Markus Dollinger sowie Hermann Hofbauer jun.

Schnell war klar: Von einem gemütlichen Romantikweg konnte keine Rede sein. Stattdessen eröffnete sich eine beeindruckende Landschaft mit Schluchten, Felsüberhängen, Höhlen und schroffen Felsvorsprüngen – ein ideales Gelände für einen außergewöhnlichen Erlebniswanderweg.

Im März rücken jedes Jahr freiwillige Helfer aus, um den Schluchtenweg für die Wanderer herzurichten. zVg

700 Stunden freiwilliger Einsatz

Hermann Kronsteiner stellte sein Grundstück für das Vorhaben zur Verfügung. Rund zehn freiwillige Helfer machten sich daran, einen Weg durch das unwegsame Gelände zu schlagen. In rund 700 Arbeitsstunden entstand ein 3,1 Kilometer langer Erlebniswanderweg, der Naturerlebnis und Abenteuer verbindet.

Heute führt der Weg durch eine eindrucksvolle Schluchtenlandschaft und begeistert Familien ebenso wie sportlich ambitionierte Wanderer. Für Kletterbegeisterte wurden zusätzlich Kletterrouten errichtet. Am Ende der Wanderung lädt die Schluchtenhütte zur wohlverdienten Rast ein.

Ein Erfolgsprojekt wächst weiter

Die feierliche Eröffnung erfolgte am 9. Juli 2006 im Beisein von Pfarrer Alois Penzenauer, Landesrat Josef Plank, Bezirks­hauptmann Hans-Heinz Lenze, Bürgermeister Erwin Forster sowie den Grundeigentümern Traudi und Hermann Kronsteiner.

Bereits im August 2010 wurde der Erlebniswanderweg um den Aufstieg auf den Leoferer Stein erweitert. Gleichzeitig wurde das Gipfelkreuz eingeweiht, das heute zu den beliebtesten Aussichtspunkten der Region zählt. Im Oktober 2016 erfolgte schließlich der Eigentümerwechsel von der Familie Kronsteiner zur Familie Picker/Auer.

Mehr als nur eine Jausenstation

Für Berit Picker ist die Schluchtenhütte längst weit mehr als eine Einkehrmöglichkeit für Wanderer.

„Der Schluchtenwanderweg und die Schluchtenhütte erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit bei Jung und Alt. Es ist eine besondere touristische Attraktion in einer märchenhaften Landschaft, in der man hinter jedem Felsen beinahe eine Zauberfigur erwarten könnte“, beschreibt sie den besonderen Reiz des Gebietes.

Die Hütte ist heute auch Treffpunkt für Musikantenrunden, Jodel- und Töpferstammtische, Mostverkostungen, Geburtstagsfeiern oder Yoga-Abende. Singkreise bereichern ebenso das Veranstaltungsprogramm wie regelmäßige Zusammenkünfte der Dorfgemeinschaft. Familien schätzen den großen Spielplatz, während bei Schlechtwetter der Seminarraum genügend Platz für Kleinkindertreffen oder Rutschauto-Rennen bietet. 

Engagement hinter den Kulissen

Dass ein solcher Erlebniswanderweg nicht sich selbst überlassen werden kann, versteht sich von selbst. Jedes Frühjahr rücken freiwillige Helfer vom Tourismusverein aus, um den Weg von Sturmschäden zu befreien, Geländer und Stufen zu erneuern sowie die gesamte Strecke instand zu halten. Mehrmals jährlich werden außerdem sämtliche Sicherungseinrichtungen kontrolliert, damit Besucher den Wanderweg auch weiterhin sicher genießen können. Zum Abschluss unseres Gesprächs machen wir uns gemeinsam mit Rudi Kefer und Berit Picker auf den Weg durch die Schlucht. Zwischen moosbewachsenen Felsen, schmalen Steigen und beeindruckenden Felsformationen wird rasch verständlich, warum dieses Projekt seit zwei Jahrzehnten Menschen begeistert. Was einst bei einer Zukunftswerkstätte als Idee begann, hat sich längst zu einem touristischen Aushängeschild von Opponitz entwickelt – getragen von Weitblick, unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden und der Liebe zur einzigartigen Natur des Ybbstals.

"Die Starken Seiten des Ybbstals" werden präsentiert von:

Veröffentlicht am 1. August 2026

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