Bereits seit 2005 finden im BRG Waidhofen Zeitzeugenprojekte statt.

Die Geschichte von Hermine Liska, die als anerkannte Zeitzeugin der ersten Generation 26 Jahre in Hunderten Schulen unterwegs war, verstarb zwar 2024 im 95. Lebensjahr, doch ihre Geschichte lebt weiter.
Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung entstand eine DVD mit dem Titel „Erziehungsproblem eines Diktators“. Mit diesem Film ist es der Referentin des Vereins Lila Winkel Esther Dürnberger möglich, die Geschichte von Hermine Liska, die auch Trägerin des Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich war, authentisch nachzuerzählen.
Die 48 Schülerinnen und Schüler bekamen am 26. November einen Einblick in eine Zeit, in der für Andersdenkende kein Platz war und die Religionsfreiheit eingegrenzt wurde. Menschenwürde war ein Fremdwort und Ausgrenzung an der Tagesordnung. Hermine verweigerte mit elf Jahren den deutschen Gruß, das Singen patriotischer Lieder und den Fahnengruß. Sie gehörte wie ihre Eltern den Bibelforschern an (wie Zeugen Jehovas damals genannt wurden) und konnte aus biblischer Überzeugung Hitler nicht als Führer anerkennen. Daran änderte auch die Unterbringung in einem Umerziehungsheim nichts.
Gedenktafel auf der Zell
Eine Folie der beeindruckenden PowerPoint-Präsentation mit Filmausschnitten und Originaldokumenten wie Ahnenpass, Bezugsschein und Lebensmittelkarte widmete sich auch der lokalen Opfergruppe der Zeugen Jehovas. An die Opfer der Glaubensgemeinschaft erinnert seit rund fünf Jahren eine Gedenktafel am Hauptplatz 18 von Zell-Markt, einer Katastralgemeinde von Waidhofen. Auf der Tafel ist unter anderem zu lesen: „Hier soll an die drei Zeller Bürgerinnen und Bürger erinnert werden, die als Zeugen Jehovas ihren religiösen Prinzipien bis in den Tod treu blieben.“
Diese Standhaftigkeit zeichnete auch die junge Hermine aus. Die Schüler waren beeindruckt, wie dieses elfährige Mädchen in der Fremde und auf sich allein gestellt über viereinhalb Jahre ausgesprochen willensstark blieb. Zum Beispiel wollte man sie zwingen, die Hand zu heben, die Jacke der Hitlerjugend anzuziehen und verweigerte ihr trotz guter Schulnoten den Besuch der Hauptschule. Sie erhielt die schlechteste Betragensnote, durfte beim Völkerball nicht mitspielen und bekam am Sonntag keine Nachspeise, den beliebten Pudding. Auch jahrelanger Spott und Ausgrenzung änderten nichts an ihrer Überzeugung. Nie dachte sie an Rache und bewahrte sich ihr ganzes Leben lang eine positive Einstellung. Ihre Ausstrahlung und ihr gewinnendes Lächeln überzeugten sogar von der Leinwand herab.
Eindrücke der Schüler und Eintrag ins Buch der Erinnerung
Die Geschichte der elfjährigen Hermine ging zu Herzen. Die Schüler hatten auch die Möglichkeit, sich in das Buch der Erinnerung einzutragen.
Zwei Schüler erklärten sich auch für ein kurzes Interview bereit und beschrieben ihre Eindrücke wie folgt: „Für mich war es eine spannende Geschichte, die unseren Geschichtsunterricht lebendig machte. Ich begriff, wie brutal das NS-Regime war, und dass selbst Kinder von der grausamen Behandlung nicht ausgeschlossen waren. Hermine hat so viel durchgemacht, blieb ihrem Glauben treu und hat einfach ihr Ding durchgezogen. Dieses Durchhaltevermögen bewundere ich sehr. Ich bin sehr dankbar, diese Zeit nicht erlebt zu haben. Umso wichtiger ist es meiner Meinung nach, dass wir über den Zweiten Weltkrieg reden, und alles tun, um den Frieden zu bewahren“, so Moritz.
Liliana: „Beeindruckend für mich war, wie die Familie zu ihrem Glauben gehalten hat, obwohl sie über die Folgen Bescheid wusste. Ich möchte wie Hermine zu meiner Überzeugung stehen und mutig sein, selbst wenn mich die Angst packt. Ich bewundere
auch die Mutter von Hermine, die nach Kriegsende aufgefordert wurde, die Namen der Peiniger und SS-Leute zu verraten, was sie nicht tat. Sie verließ sich darauf, dass sich weltliche Gerichte darum kümmern werden und dass das himmlische Gericht alles regeln
würde. So lehrte sie Hermine, was es heißt, keinen Hass aufkommen zu lassen und von Herzen zu vergeben.“
Das Zeitzeugenprojekt endete mit dem Satz: „Wenn alle Menschen, wie Hermine Liska, nach der Goldenen Regel ,Behandelt andere immer so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet‘ (Zitat aus der Bergperdigt Jesu im Matthäusevangelium, Anm.) leben würden, wäre die Welt eine andere.“

