Veröffentlicht am 1. Mai 2026

40 Jahre Tschernobyl – in Waidhofen?

Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über den Super-GAU in Tschernobyl Ende April 1986

Tschernobyl war nicht allein ein Ereignis in der Ukraine. Die radioaktive Wolke brachte strahlendes Material Ende April 1986 auch in unsere Region. Ich war damals das, was man einen Junglehrer nennt, und „herrschte“ als solcher im Rahmen meiner Erstanstellung über den Physiksaal der damaligen Hauptschule Zell. Ich hatte aus beruflichen Gründen etwas bei der Hand, um das mich viele beneideten und was im Handel bei Bekanntwerden des radioaktiven Unfalls von einer Stunde auf die andere vergriffen war: einen sogenannten Geigerzähler. Für Nicht-Physiker kurz erklärt: Das „Geiger-Müller-Zählrohr“ ist nach den beiden Wissenschaftlern Hans Geiger und Walther Müller benannt und ein Gerät, das zum Nachweis und zur Messung ionisierender Strahlung und damit zur Erkennung radioaktiver Strahlenbelastung dient. Das charakteristische Knacken des Geigerzählers signalisiert den Einschlag einzelner ionisierender Teilchen auf dem Gerät und kann auf Youtube (https://www.youtube.com/watch?v=upPiJ9vOYiY) abgehört werden. (So akustisch hörbar sind wir beim „Ybbstaler“ schon!) Herrscht keine Strahlenbelastung, dann knackt das Gerät etwa einmal pro 20 Sekunden. Je größer die radioaktive Strahlung, desto öfter knackt es, um bei großer Belastung in ein „akustisches Dauerfeuer“ überzugehen.

Also packte ich damals das Gerät im Physiksaal aus, setzte Batterien ein und begab mich mit Schülerinnen und Schülern auf die Straße. Um einen Vergleich darzustellen, maßen wir zuerst in der Klasse – geringe Belastung – dann im Freien – Dauerknacken, also starke Belastung – und schließlich in der Garderobe im Schulkeller – überraschenderweise auch starke Belastung. Der Grund: Mit den Schuhen und der Oberkleidung hatten die Jugendlichen kontaminiertes Material in den Keller hereingetragen. Es war großteils radioaktives Jod (meist I-131), wie man heute weiß, ein Isotop, das in der Medizin zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt wird. Der Großteil dieses Jod-Isotops ist in der Zwischenzeit zerstrahlt, weil es eine geringe Halbwertszeit von rund acht Tagen aufweist. Innerhalb dieser Zeit zerfällt die Hälfte der Atomkerne. Nach rund 80 Tagen ist es fast vollständig zerfallen. Was aber geblieben ist, sind die radioaktiven Elemente Cäsium und Strontium, die eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren haben und die man bis heute in der Region – insbesondere in Pilzen, die Schwermetallsammler sind – nachweisen kann. Wir haben in dieser Ausgabe der Erinnerung an den Super-GAU (GAU steht als für „größter anzunehmender Unfall“) viel Platz eingeräumt. Lesen Sie im Blatt, wie sich Ybbstalerinnen und Ybbstaler ‚an die Katastrophe und ihre unmittelbaren Auswirkungen erinnern.

Doch zum Abschluss noch etwas sehr Positives: Am vergangenen Samstag ist in Waidhofen der Stadtlauf über die Bühne gegangen. Und es gab wieder viele Siegerinnen und Sieger, aber auch so manche Enttäuschte. Die glücklichsten Sieger, die ich gesehen habe, waren jene, die beim bene-Inklusionslauf ins Ziel gekommen sind, wo Menschen mit Behinderung – in Begleitung – eine Stadtlauf-Runde zu bewältigen hatten. Als ein Mädchen aus meiner Nachbarschaft bei uns am Abend mit dem Pokal in der Hand anläutete, um uns diesen und ihre Medaille zu zeigen, habe ich ein Glück in ihren Augen wahrgenommen, das vollkommen war. Gratulation Sophie! Danke Sportunion! Danke Firma Bene! Danke allen, die den Inklusionslauf möglich gemacht haben! Das ist sportlich!

Veröffentlicht am 1. Mai 2026

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