Veröffentlicht am 3. Juli 2026

99 Gründe fürs Daheimbleiben

Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über die schönste Reise des Sommers: das Daheimbleiben

Der Sommer hat es wieder einmal eilig. Kaum waren die letzten Regentropfen verdunstet, kletterten die Temperaturen in schwindelerregende Höhen. Asphalt beginnt zu flimmern, Ventilatoren laufen auf Hochtouren, und plötzlich ist jeder Wetterbericht das beherrschende Gesprächsthema. „So heiß war es noch nie“, heißt es an der Supermarktkasse, im Freibad und beim Bäcker. Vermutlich stimmt das sogar. 

Dabei hat der Sommer einen bemerkenswerten Zwiespalt im Gepäck. Monatelang sehnen wir ihn herbei. Endlich lange Abende, Grillduft, Eis in allen Geschmacksrichtungen, leichte Kleidung und das Gefühl, dass der Alltag ein wenig langsamer läuft. Doch kaum zeigt er seine volle Kraft, flüchten wir in den Schatten, suchen klimatisierte Räume oder diskutieren über die ideale Raumtemperatur im Büro und in der Schule.

Vielleicht gehört genau das zum Sommer. Er ist keine Jahreszeit der Vernunft, sondern der Emotionen. Er riecht nach Sonnencreme und gemähtem Gras, klingt nach Vogelgezwitscher und Kinderlachen und schmeckt nach Marillen, Wassermelonen und dem ersten kühlen Getränk nach einem heißen Tag. Er schenkt uns Erinnerungen, die oft viel länger halten als die Bräune auf der Haut.

Und natürlich ist da noch der Urlaub. Kaum eine Zeit des Jahres wird mit so vielen Erwartungen aufgeladen. Wochenlang wird geplant, gebucht und gepackt. Dann folgen Staus auf den Autobahnen, Warteschlangen an Flughäfen, überfüllte Innenstädte, die Suche nach einem freien Liegestuhl am Strand und Temperaturen, die zwischen Betonfassaden oft noch unerbittlicher wirken als zu Hause. Erholung sieht manchmal erstaunlich anstrengend aus.

Vielleicht lohnt sich deshalb ein anderer Blick auf die schönste Zeit des Jahres. Muss das Glück wirklich viele hundert Kilometer entfernt liegen? Oder wartet es manchmal direkt vor der Haustür?

Gerade das Ybbstal liefert dafür überzeugende Argumente. Schlosshofspiele unter freiem Himmel, die stimmungsvollen Konviktgartenkonzerte, eine erfrischende Abkühlung in der Ybbs oder ein Sommerkinoabend unter Sternen bieten Sommergenuss ganz ohne Reisestress. Keine kilometerlangen Staus, kein Gedränge in aufgeheizten Gassen, kein Wettlauf um den besten Platz am Strand. Stattdessen Kultur, Natur und Erholung – nur wenige Minuten entfernt.

Vielleicht ist das die eigentliche Pointe des Sommers: Dass man manchmal gar nicht verreisen muss, um anzukommen. Und vielleicht ist es gerade hier, im Ybbstal, in diesen langen, hellen Tagen, am allerschönsten. Denn da zeigt sich die Region von ihren starken Seiten. Vielleicht sollten wir im „Ybbstaler“ auch eine Rubrik mit dem Titel „Die starken Seiten der Region“ einführen oder „99 Gründe fürs Daheimbleiben“. Ich wünsche schöne Ferien und schönen Urlaub. Aber ich glaube, ich bleibe heuer einfach da.

Veröffentlicht am 3. Juli 2026

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