Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über das Tunnelprojekt
Am Samstag, den 5. Juli, wurde der Doppeltunnel Weyer durch den oberösterreichischen Landeshauptmann Thomas Stelzer, Bürgermeister Gerhard Klaffner und einer Entourage an Landesräten, Nationalräten, Bundesräten, Beamten und Gewerken als Ortsumfahrung feierlich eröffnet. Drei Musikkapellen – jene aus Weyer, aus Kleinreifling und die Bergknappenkapelle Unterlaussa – spielten dazu auf. Eine Tausendschaft an Gästen folgte dem Musikzug durch den Haupttunnel, bevor die Ehrengäste die Eröffnungsschleife durchtrennten.
Jahrzehntelang hatte Weyer den Tunnel als Verkehrsentlastung für den Ortskern und die Engstellen entlang der Bundesstraße gefordert. 2002 war die Forderung erstmals in Planung übergegangen. Weitere 20 Jahre hat es gedauert, bis der Tunnelbau schließlich angegangen werden konnte. Nun ist das Werk vollbracht.
Dabei stand ursprünglich auch die Verbreiterung der Engstellen im Ortszentrum zur Debatte, was wesentlich kostengünstiger und schneller zu realisieren gewesen wäre. Damit wäre aber der historische Kern nachhaltig beschädigt worden. Doch in Weyer ließ man sich nicht beirren und setzte auf den Erhalt des pittoresken Marktplatzes und die Tunnelvariante. Die Zähigkeit hat sich gelohnt. Die Tunnellösung ist elegant gelungen und der identitätsstiftende Ortskern im Sinne eines Kulturerbes bleibt unangetastet. Der Ort legt Zeugnis davon ab, dass das „Güldene Märktl Weyer“ als pulsierendes Zentrum des Eisentransportes bereits im 15. und 16. Jahrhundert im Eisenwesen eine ähnlich große Bedeutung wie die Eisenstädte Steyr und Waidhofen hatte. Spuren und Zeugnisse von Türkenbelagerung, Bränden, Reformation und Gegenreformation sowie von den Hammerherrengeschlechtern sind bis heute im Marktbild erkennbar. Mit Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen hat die Bevölkerung von Weyer den Stürmen der Zeit getrotzt. Eine Beharrlichkeit, die nun auch beim Tunnelbau zum Ziel führte.
Weyer hat einmal mehr einen langen Atem bewiesen. Das kommt nicht von ungefähr. Dass in Weyer, wenn es darauf ankommt, politisch im Gemeinderat an einem Strang gezogen wird, bewies erneut die Gemeinderatssitzung zwei Tage vor der Tunneleröffnung am 3. Juli. Alle Beschlüsse waren gut vorbereitet worden und wurden nach reiflicher Diskussion einstimmig gefasst. Das Gesprächsklima im Gemeinderat ist harmonisch, die Umgangsform ist wertschätzend.
Bürgermeister Klaffner, der bereits seit 1997 in der flächenmäßig zweitgrößten Gemeinde Oberösterreichs im Amt ist, hat sich mit dem Tunnel nicht nur selbst und seinem jahrzehntelangen Wirken, sondern noch vielmehr der Bevölkerung, der Region, der gemeinsamen Arbeit und der Entschlossenheit der Bevölkerung ein Denkmal für die Zukunft gesetzt.
Nun sind die Bevölkerung, die Vereine, die Jugend und die Pfarre dazu aufgerufen, ihre Ideen zur Belebung des verkehrsberuhigten Marktplatzes einzubringen, um dort ein offenes Wohnzimmer für alle Bewohner sowie deren Gäste zu machen, ein Zentrum, wo – vom Durchzugsverkehr ungestört – Feste gefeiert, Veranstaltungen durchgeführt und Begegnungen gelebt werden können. Auch dabei gilt es, an einem Strang zu ziehen. Wenn das gelingt, dann ist eine Jahrhundertchance wahrgenommen, und es werden auch die letzten Skeptiker noch für das Werk zu gewinnen sein.

