Nach einer Kostensteigerung von zehn auf 15 Millionen Euro heißt es erst einmal: Pausetaste für das Rückhaltebecken im Hochtal Prolling.

Es hat sich bereits im Frühjahr abgezeichnet, dass der Weiterbau der Bauwerke zum Retensionsbecken sich verzögern wird. Auf Anfrage teilt der Ybbsitzer Bürgermeister Gerhard Lueger mit: „Die Baustelle wird bis auf Weiteres eingestellt, und zwar so lange, bis die Finanzierung gesichert ist.“ Tatsächlich gingen die Planer im Jahr 2017 von Gesamtkosten in der Höhe von zehn Millionen Euro aus. „Dass durch die Pandemie die Baupreise gestiegen sind, ist kein Geheimnis, war aber auch nicht vorhersehbar“, sagt Lueger. Dabei belaufen sich die dadurch veranlassten Steigerungen aber „nur“ auf rund 20%.
Lueger: „Geologische Gutachten haben sich nicht bewahrheitet!“
Warum also eine Steigerung von 50 %? „Der Grund liegt darin, dass sich die geologischen Gutachten, was den Talboden betrifft, nicht bewahrheitet haben“, sagt Lueger. Daher fallen Mehrkosten für zusätzlichen Aushub und notwendige Stabilisierung an. Auch die Verlegung der Landesstraße auf den Talhang kam teurer als geplant. Nachdem die Gemeinde 25 % der Baukosten zu tragen hat, müssten nun zusätzlich 1,25 Millionen Euro aufgebracht werden. „Geld, das wir derzeit nicht haben“, so Lueger. In den kommenden Wochen werden nun neue Finanzierungspläne mit dem Land und der Gebietsbauleitung des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, kurz Landwirtschaftsministerium, verhandelt.
2024 war der erste Teil des Durchlassbauwerks errichtet worden. Es handelt sich dabei um ein 16 Meter hohes Betonbauwerk, das im Prollinger Retensionsbecken zurückgehaltenes Hochwasser gezielt ablassen soll. Es funktioniert wie eine Art Ventil, das den Großteil der Flut nach Starkregen zurückhält und immer nur so viel Wasser durchlässt, wie der Bach aufnehmen kann, ohne über die Ufer zu treten oder im Ybbsitzer Ortskern durch Rückstau Hochwasser auszulösen. Im Becken können 400.000 Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden.
Christian Amberger, Sektionsleiter Wildbach- und Lawinenverbauung für Wien, NÖ und dem Burgenland, beruhigt: „Es ist eines der größten Projekte im Hochwasserschutz in NÖ. Es geht beim Dammbau um eine Erdbewegung von 100.000 Kubikmeter“, sagt Amberger. Es passiere aber viel im Hintergrund, was für die Laien nicht sofort sichtbar sei. So wird laut Amberger auch an einer Finanzierungslösung gearbeitet, die für die Gemeinde tragbar ist. „Vonseiten des Ministeriums blickt man weiter“, sagt Amberger. „Die Monolithen bleiben sicher nicht so stehen.“ Und auf eine weitere Besonderheit verweist Amberger: „Ybbsitz ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. So ist die Hochwassergeschichte in keinem anderen Ort oder Tal so gut dokumentiert wie in Ybbsitz.“ Es brauche nun Zeit, um die Finanzierung zu klären. Dann werde weitergebaut.



