Veröffentlicht am 13. September 2026

Brauchtum Gesangverein soll leben

Die „Singgemeinschaft des Männergesangvereins 1843“ sucht seine Weiterführung und hat als zweitältester Männer­gesangverein Österreichs attraktive Privilegien als Mitgift dabei

Dass sich ein Männergesangverein zum Großteil aus Damen zusammensetzt, mag verwundern. Doch damit ist der im Jahr 1843 gegründete „Männergesangverein Waidhofen“ (MGV), der sich später in die „Singgemeinschaft des MGV 1843“ umbenannt hat, nicht allein. Viele der aktiven Chöre Österreichs fußen geschichtlich auf ursprünglichen Männergesangvereinen. Allein die Waidhofner „Singgemeinschaft des MGV 1843“ hat eine bemerkenswert lange Vereinsgeschichte und gilt als der zweitälteste Männergesangverein Österreichs nach dem Wiener Männergesang-Verein, der im selben Jahr, aber etwas früher gegründet wurde.

Gründungsjahr 1843: zweitälteste Männergesangverein Österreichs

Der Männergesangverein Waidhofen an der Ybbs geht auf eine 1843 gegründete Liedertafel zurück. Ab 1845 wurde sie als Männergesangverein geführt. Das wird sowohl vom niederösterreichischen „Gedächtnis des Landes“ als auch von der Stadtgeschichte bestätigt. Im Vormärz entwickelte sich der Verein zu einem Treffpunkt des Bürgertums in Waid­hofen. Das macht seine Geschichte deutlich interessanter als die eines reinen Geselligkeitsvereins. Bereits 1845 ist der Verein im Gasthaus „Zum Goldenen Löwen“ nachweisbar. In der zweiten Hälfte des 19. und im 20. Jahrhundert trat der Verein bei größeren städtischen und kulturellen Veranstaltungen auf und begleitete wichtige Ereignisse der Stadt musikalisch. Und er besteht vereinsrechtlich bis heute.

Aktuelle Obfrau des MGV: Sieglinde Sterlinger

Als derzeitige Obfrau fungiert Sieglinde Sterlinger, Geschäftsfrau der Trödelstube am Unteren Stadtplatz. „Ich bin aber nur eine Alibi-Obfrau, weil wir zurzeit niemanden haben, der den Verein führen möchte“, sagt Sterlinger. Dabei hätte die „Singgemeinschaft des MGV 1843“, die um ein Vierteljahrhundert älter ist als das Waidhofner Stadtrecht mit eigenem Statut aus dem Jahr 1869, interessante Privilegien parat. 

Bestehende Sonderprivilegien des MGV

Der MGV verfügt über beachtliche Sonderrechte, die er sich mit dem Bau des Stadtsaals, an dem der Verein als Auftrittsort für Konzerte sehr interessiert war, erworben hat. Sieglinde Sterlinger weiß: „Bis heute ist uns als Verein das Recht verbrieft, den Stadtsaal, heute Plenkersaal, zweimal im Jahr unentgeltlich für Konzerte und regelmäßig für Proben benützen zu können“, sagt Sterlinger. Der Grund dafür ist, dass der ehemalige Obmann und HTL-Lehrer Hofrat Hans Schlagradl seitens des Vereins 100.000 Schilling zum Bau beigetragen hat. Dafür wurden der Singgemeinschaft diese Privilegien eingeräumt.

Hofrat Hans Schlagradl erwirkte mit einer Spende seitens des MGV dessen Recht für Proben und Auftritte im Stadtsaal, heute Plenkersaal. © Leo L.

Aufruf: Wer hat Interesse am MGV?

Also sollte sich jemand finden, der der „Singgemeinschaft des MGV 1843“ als Obmann oder Obfrau, Chorleiterin oder Funktionär neue Energie verleihen möchte: Diese wertvollen Privilegien gibt es als Mitgift. Sterlinger: „Wäre doch schade, wenn wir diese einzigartigen Rechte verfallen lassen würden, wenn sich der zweitälteste Männergesangverein Österreich endgültig auflöst.“ Interessenten können sich jederzeit bei Sieglinde Sterlinger während der Geschäftszeiten in der Trödelstube am Unteren Stadtplatz melden.

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Veröffentlicht am 13. September 2026

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