Veröffentlicht am 13. Februar 2026

Die Zeit wird reif – früher oder später

Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über die Stadt- und Dorfgespräche und die Kleinregion Ybbstal.

Die Idee ist ja nicht schlecht: Die Stadt Waidhofen lädt in den kommenden Wochen in alle Ortsteile zu Stadt- und Dorfgesprächen, an denen sich die Bevölkerung beteiligen soll und kann. Dabei will man mit den Bürgerinnen und Bürgern in einen ehrlichen Dialog treten.

Bravo! Man fragt sich in diesem Fall: Wer vertritt dabei die Stadt Waidhofen? Bürgermeister Werner Krammer, die beiden Vizebürgermeister Mario Wührer und Armin Bahr sowie FUFU-Stadtrat Martin Dowalil, die sich gemeinsam gerne als „die Stadtregierung“ darstellen. Auch wenn es eine solcherart zu bezeichnende Regierung eigentlich nur in Form eines gemeinsam vereinbarten Arbeitsprogramms gibt, so ist diese auf Absprachen begründete Kooperation ein erfolgreiches Commitment. Der erste Termin dieser Stadt- und Dorfgespräche fand am Montagabend statt. Gezählte 44 Personen pilgerten dazu in das Theatercafé, darunter zwölf Gemeinderäte und Magistratsbedienstete sowie einige Personen, denen man nachsagt, dass sie bei der nächsten Gemeinderatswahl im Jänner 2027 kandidieren wollen oder werden.

Die Themen waren vorhersehbar: Waidhofens Notarztversorgung im NÖ Gesundheitsplan, die Ansiedlung einer Fast-Food-Kette im Patertal, die Pläne für die Verbauung des Bahnhofareals, die Sinnhaftigkeit der Innenstadt-Schutzzone samt Bausperre, die eigentlich keine ist, und die Stadtfinanzen. Doch bei den Stadtfinanzen ließ Bürgermeister Krammer, der auch Sprecher der Gemeinden in der Kleinregion Ybbstal ist, mit einem Vorschlag aufhorchen, der noch viel zu wenig beachtet wird: Die Gemeinden könnten viel Geld einsparen, wenn sie noch mehr Aufgaben gemeinsam administrieren und untereinander aufteilen würden. Aber für diesen Weg fehle noch der Wille. Dabei ist das Jammern der Gemeindeoberhäupter in der Region angesichts klammer Gemeindebudgets ja nicht mehr zu überhören! Was in Form von Abgabenverbänden, beim Wirtschaftspark Ybbstal oder bei der Glasfaserverkabelung schon gelungen ist, dafür würde sich bei der Administration des Baurechts oder bei der Lohnabrechnung der Gemeindebediensteten noch keine Bereitschaft der Gemeinden finden lassen. Dafür wäre die Zeit noch nicht reif und der Leidensdruck noch nicht groß genug, wie Krammer anmerkte. „Ja, wie groß muss denn der Leidensdruck noch werden, bis die Schmerzgrenze erreicht ist?“, fragte ein dadurch aufgeschreckter Bürger.

Und das in einer Situation, wo sich Österreich – was wir alle schätzen! – 2.092 Gemeinden leistet, während die Niederlande ihre 18 Millionen Einwohner auf 342 Gemeinden verteilt und Dänemark seine sechs Millionen Bürgerinnen und Bürger – ohne Grönland – in nur 98 Gemeinden verwaltet. Die Kleinregion Ybbstal besteht aus den zehn Gemeinden – Allhartsberg, Kematen, Sonntagberg, Ybbsitz, Opponitz, Hollenstein, St. Georgen/Reith, Göstling, Lunz und Waidhofen. Insgesamt leben rund 30.000 Menschen in der Kleinregion, halb so viele wie in einer durchschnittlichen dänischen Gemeinde. Und jede unserer Gemeinden schnitzt aus eigenem Holz das gleiche Werkzeug. Hier lassen sich sicher noch Synergien finden. Für mehr Kooperation wird die Zeit – dann, wenn der Leidensdruck weiter gestiegen ist – früher oder später wohl reif werden.

Veröffentlicht am 13. Februar 2026

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