Veröffentlicht am 7. August 2026

Ein Denkmal für Trinkwasser-Pioniere!

Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über das Ybbstaler-Wasser

Lange Zeit schien sauberes Trinkwasser im Ybbstal unerschöpflich. Man sprach von der Stadt Waidhofen und ihren Proponenten angesichts ihres vermeintlich „unermesslichen Wasserreichtums“, der vor allem aus den Quellen des Buchenbergs sprudelte, spöttisch sogar von „Wasser-Scheichs“. Doch die anhaltende Hitze und der fehlende Niederschlag zeigen deutlich, dass auch unsere Region an ihre Grenzen stößt. Die Botschaft der Gemeinden ist eindeutig: Noch funktioniert die Wasserversorgung – aber nur, wenn alle verantwortungsvoll damit umgehen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Das Wasserwerk in Waidhofen muss aktuell seine tägliche Fördermenge von 3.500 auf 8.000 Kubikmeter mehr als verdoppeln, um neben der eigenen Bevölkerung auch die Nachbargemeinden zu versorgen. Die Quellschüttungen der Stadt alleine reichen längst nicht mehr aus. Das „weiße Gold“ wird zusätzlich aus Tiefenbohrungen gefördert. Gleichzeitig drohen allerorts die Grundwasserspiegel zu sinken. 

Hochgelegene Bauernhöfe werden längst von den Feuerwehren (Danke an die Freiwilligen!) mit Wasser versorgt. Das zeigt: Die Situation ist ernst.

Nicht nur die Trinkwasserversorgung leidet unter der Dürre. Die Wiesen und Almen sind traurig braun statt saftig grün. Die Landwirtschaft kämpft nach völlig ausgefallenem dritten Schnitt mit akutem Futtermangel, sodass eine Futterbörse eingerichtet werden soll. In Neu-hofen verkleinern erste Landwirte mangels Futteraussicht bereits ihren Viehbestand. Tiere in der Natur sind ebenfalls betroffen. Engagierte Bürger retten – wie ein Beispiel aus Opponitz zeigt – sogar Steinkrebse aus ausgetrockneten Bachbetten. Diese Bilder machen deutlich, welche Folgen der Wassermangel für Mensch, Tier und Umwelt hat. Da erscheint die Sorge des Ybbsitzer Bürgermeisters, dass sein Wasserkraftwerk an der Kleinen Ybbs aufgrund von Wassermangel aktuell nur zehn Prozent der gewöhnlichen Durchschnittsleistung liefert, sogar noch klein.

Nun zeigt sich aber auch, wer bei der Wasserversorgung früh seine Hausaufgaben gemacht hat. Seit fünf Jahren bemüht sich Opponitz um eine zweite Tiefenbohrung. Nun ist es soweit: Die wasserrechtlichen Verhandlungen sind abgeschlossen, Ende August kann gebohrt und damit die Wasserversorgung aufgestockt werden. In Kematen wurde rechtzeitig ein Hochspeicher mit 1.400 Kubikmeter Fassungsvermögen errichtet. Allhartsberg hat eine Pipeline ins grundwasserreiche Amstetten verlegt. Wassergenossenschaften wie etwa in Ybbsitz – Haselgraben, Knieberg und Hubberg – sind rechtzeitig fertig geworden, dass dort nun Gemeindewasser für Vieh und Mensch aus den Leitungen sprudelt, nachdem die Hausbrunnen trocken liegen.

Was wäre wohl, wenn man die Wasser-Pipelines von Waidhofen nach Sonntagberg, Aschbach, Kematen, über die die Gemeinden nun mit Buchenbergwasser versorgt werden, nicht rechtzeitig gebaut hätte? Was wäre, wenn der längst verstorbene Franz Edelmayr, der 25 Jahre das Waidhofner Wasserwerk geleitet hat, seine Visionen von Quellfassungen und Ringleitung – damals gegen harsche Kritik, weil zu teuer! – nicht umgesetzt hätte? Vielerorts waren Visionäre am Werk, die die Wasserinfrastruktur in Zeiten des Überflusses vorangetrieben haben. Nun profitieren wir alle davon. Vielleicht sollte man den Visionären wie Franz Edelmayr nun ein Denkmal setzen.

Veröffentlicht am 7. August 2026

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