„So etwas macht man als Zimmerer nur einmal im Leben“

Die Filialkirche St. Ägidi wird seit 1. Mai umfassend renoviert. Als Glanzstück und spenglerisches Meisterwerk gilt die Zimmererarbeit von Josef Haselsteiner, der für den Zwiebelturm-Helm verantwortlich zeichnet. Herausragend auch deshalb, weil für den Zwiebelturm keinerlei Pläne existieren, sondern nur ein altes Gemälde aus dem Jahr 1744 als Vorlage diente.
Wie „Der Ybbstaler“ bereits in der vergangenen Ausgabe in den „Starken Seiten des Ybbstals“ berichtete, fand am 13. August die Gleichenfeier zur Renovierung und Errichtung des Zwiebelturmes der Windhager Filialkirche St. Ägidi statt. Dabei ist die Zimmererarbeit, die inzwischen von der Firma Leichtfried in einem spenglerischen Meisterwerk mit Kupfer gedeckt wurde, eine besondere Leistung, die von Zimmermeister Josef Haselsteiner ausgegangen ist.

„Die Idee, zusätzlich zur Wiedererrichtung des südseitigen Vordaches auch den Zwiebelturm nach alten Aufnahmen wieder aufzusetzen, war 1999 in Gesprächen mit Pater Ägid Ritt, der damals bei uns in Windhag war, entstanden“, erinnert sich Josef Haselsteiner, Seniorchef der gleichnamigen Zimmererfirma in Waidhofen, der auch maßgeblich an der Schaffung des Vordaches beteiligt gewesen war. Anhand eines Bildes aus dem Jahr 1744 konnte man eine gute Vorstellung von Form und Größe des Zwiebelturmes gewinnen. Auch wenn bei der Sanierung 1999 der Vorschlag noch nicht ganz spruchreif war, so ging die Idee doch nie ganz verloren.
Studium einiger Fachbücher über Kirchtürme
Beim gegenwärtigen Windhager Pfarrer Pater Franz Hörmann, der sich bei der Renovierung der Basilika Sonntagberg große Verdienste und auch viel Detailwissen erworben hat, traf die Idee auf offene Ohren. „Der Pfarrkirchenrat hat die Sache für gut befunden und den Bau abgesegnet“, erinnert sich Haselsteiner, wobei es für den Turmhelm – vom Gemälde aus 1744 abgesehen – keinerlei Unterlagen oder Pläne gegeben hat. Nach Studie einiger Fachbücher kristallisierte Haselsteiner den Plan für den vorliegenden Turmhelm heraus. Nach verfeinerten Detailzeichnungen und Werkplänen wurde in der Folge der Dachstuhl, das „Zimmer“, für den Zwiebelturm gebaut. „Es waren daran unser Polier Hans Wagner, Johann Hinterleitner, Franz Maderthaner und Helfer wie Heinz Hager und viele andere tatkräftig beteiligt“, sagt Haselsteiner. Bei der Demontage des alten Turmes gab es noch eine besondere Herausforderung, sollte doch das bestehende Gesimse erhalten bleiben und der Ziegelbetonrost nicht beschädigt werden. Allgemeines Aufatmen: Es gelang!
Originales Turmkreuz zufällig entdeckt
Pater Franz hatte Bedenken, dass das bestehende Turmkreuz für den neuen Zwiebelturm zu groß sei und überdies die Ausrichtung des Kreuzes nicht stimme. Die Entscheidung fiel aber schlagartig, als Haselsteiner dem Pfarrer und dem Pfarrkirchenrat ein Kreuz zeigte, das er in dem von ihm erworbenen Mesnerhaus von St. Ägidi entdeckt hatte. Pater Franz erkannte sofort, dass es sich dabei um das Originalkreuz handelte. Der Entschluss, dieses vergolden zu lassen, war zwar nicht gerade billig, wird aber die Filialkirche künftig weithin golden zum Strahlen bringen.

Fürwahr eine Meisterleistung – der Dachstuhl für den Zwiebelturm zVg

In schwindelnden Höhen beim Montieren des Turmhelms Zimmermeister Gerald Haselsteiner, Polier Johann Wagner und Johann Hinterleitner zVg
Ökologisch und handwerklich gelungen
Dass auch ökologisch richtig renoviert wurde, beweist jedenfalls die Tatsache, dass die durch den Bau verschreckte Fledermaus-Population inzwischen in den Turm zurückgekehrt ist. Haselsteiner und seine Helferinnen und Helfer geben sich zurecht stolz und zufrieden. „So etwas macht man als Zimmerer nur einmal im Leben, wenn überhaupt“, sagt Haselsteiner. Die regionale Handwerksarbeit hat mit breiter Unterstützung zahlreicher Firmen und Gewerke der Region und 1.400 ehrenamtlich geleisteten Stunden gezeigt, das mit vereinten Kräften die Renovierung und auch der Bau des Zwiebelturmhelms zu bewerkstelligen ist. Wenn man am Ägidi-Sonntag anlässlich 500 Jahre Kirche St. Ägidi feierlich das Turmkreuz setzt, kann man auch hoffen, dass diese Renovierung Jahrhunderte, vielleicht sogar weitere 500 Jahre hält.
Einladung zum 500-jährigen Jubiläums- und Benefizfest
Der große Höhepunkt der Feierlichkeiten findet am Sonntag, dem 6. September, ab 9.00 Uhr statt. Die gesamte Bevölkerung ist herzlich eingeladen, das 500-jährige Bestehen und die gelungene Sanierung gemeinsam zu feiern.

















