Veröffentlicht am 2. Oktober 2026

Forster: 70 Jahre mit Zukunft

Pamela Forster im „Ybbstaler“-Interview über Verantwortung, Wachstum und die Stärke eines Familienunternehmens

Seit rund eineinhalb Jahren steht Pamela Forster an der Spitze der Forster Holding – verbunden mit der Region und mit klarem Blick nach vorne. zVg

2026 feiert die Unternehmensgruppe Forster ihr 70-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass sprach „Ybbstaler“-Geschäftsführer Thomas Wagner mit Pamela Forster, Geschäftsführerin der Forster Holding, über ihre Verbindung zum Unternehmen, die Erfolgsfaktoren von Forster und die Zukunft des Familienbetriebs.

Sie sind seit rund eineinhalb Jahren Geschäftsführerin der Forster Holding. Eigentlich begleiten Sie das Unternehmen aber schon viel länger, oder?

Ja, in gewisser Weise bin ich seit über 30 Jahren dabei. Meine ersten Einblicke habe ich schon als Schülerin bei Ferialpraktika bekommen. Während und nach meinem Studium „Recht und Wirtschaft“ in Salzburg habe ich verschiedene Bereiche kennengelernt – vom Backoffice bis zum Vertrieb. Als mein Vater Christian Forster angekündigt hat, sich zurückzuziehen, habe ich schließlich die Geschäftsführung übernommen.

Zum Jubiläum gab es einen großen Tag der offenen Tür. Wie haben Sie diesen Tag erlebt?

Das Interesse war überwältigend und hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Besonders schön war die Vielfalt der Besucher: ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Pensionistinnen und Pensionisten, Familien unserer aktuellen Belegschaft, aber auch viele Menschen aus der Region, die Forster bisher vielleicht nur vom Vorbeifahren gekannt haben. Für manche Kinder war es spannend, endlich einmal zu sehen, wo Mama oder Papa arbeiten. Solche Begegnungen zeigen, wie stark das Unternehmen mit der Region verbunden ist.
Wenn Sie Forster in wenigen Sätzen beschreiben müssten – wofür steht das Unternehmen?

Wir sind ein regional verwurzeltes Familienunternehmen mit rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und gleichzeitig international erfolgreich. Wir entwickeln und produzieren langlebige Produkte in den Bereichen Verkehrstechnik, Regalsysteme, Lärmschutz, Werbetechnik, Objektbeschilderung und industrieller Druck. Auch nach 70 Jahren richten wir unseren Blick immer noch konsequent nach vorne. Mit der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung unserer Produktion entwickeln wir unsere Produktbereiche technologisch weiter. Gleichzeitig unterstützen uns diese Entwicklungen dabei, Prozesse effizienter und ressourcenschonender zu gestalten und so unsere nachhaltige Produktion weiter voranzutreiben.

Sie betonen bewusst den Begriff Familienunternehmen. Was bedeutet das für Sie?

Ein Familienunternehmen zu sein, bedeutet für mich vor allem Verantwortung – gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Kunden, der Region und unserer Umwelt. Wir denken langfristig und in Generationen. Unser Ziel ist, das Unternehmen so aufzustellen, dass auch kommende Generationen weiterentwickeln können und wollen, was in den vergangenen 70 Jahren aufgebaut wurde. Gleichzeitig ist es unschätzbar, Erfahrung in der Familie abrufen zu können. Meine Tante Erika Forster ist mit 89 Jahren noch immer eine wertvolle Ratgeberin. Und mein Vater ist für mich bei schwierigen Entscheidungen nach wie vor mein „Telefon-Joker“.

Welche Faktoren haben Forster über sieben Jahrzehnte erfolgreich gemacht?

Ein Satz, der bei uns immer wieder fällt, lautet: „Forster ist Meister im Improvisieren.“ Dahinter steckt unsere Fähigkeit, uns schnell auf neue Situationen einzustellen und pragmatische Lösungen zu finden. Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist aber vor allem unsere Mannschaft. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dem Unternehmen seit
Jahren oder Jahrzehnten verbunden. Dieses Wissen und diese Erfahrung sind enorm wertvoll.

Das Leistungsangebot ist heute sehr breit. In welche Richtung wird sich Forster künftig entwickeln?

Automatisierung und Digitalisierung werden eine immer größere Rolle spielen. Gerade in der Verkehrstechnik hängen wir stark von Entwicklungen im Straßen- und Bahnverkehr sowie von Entscheidungen der öffentlichen Hand ab. Darauf müssen wir reagieren und unsere Produkte laufend weiterentwickeln. Sehr stark wächst derzeit etwa der Bereich Lärmschutz entlang der Bahn. Auch künstliche Intelligenz beschäftigt uns bereits. Künftig könnte sie unter anderem bei Verkehrsbeeinflussungssystemen neue Möglichkeiten eröffnen.

Wo liegen derzeit die größten Herausforderungen?

Ein großes Thema ist der Fachkräftemangel, vor allem in den Bereichen Digitalisierung und Automatisierung. Gleichzeitig spüren wir international den zunehmenden Spardruck der öffentlichen Hand, die für uns ein wichtiger Auftraggeber ist. Österreich ist hier derzeit eher eine Ausnahme, weil weiterhin viel in Straßen- und Bahninfrastruktur investiert wird. Für uns gilt es, flexibel zu bleiben und Entwicklungen früh zu erkennen.

Forster ist international tätig. Wo überall sind Produkte Ihres Unternehmens zu finden?

Unsere Exportquote liegt bei rund 50 Prozent. Aktuell haben wir etwa Regalsystem-Projekte in Australien und Kanada. Es ist jedes Mal eine große Freude, Fotos zu sehen, auf denen unsere Produkte am anderen Ende der Welt im Einsatz sind. In der Verkehrstechnik liegt unser Schwerpunkt vor allem auf Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Der Firmengründer Franz Forster war eine prägende Unternehmerpersönlichkeit. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Er war ein Unternehmer mit enormem Ehrgeiz und stark vom Geist der Nachkriegs- und Aufbaugeneration geprägt. Er hat für das Unternehmen gelebt – 365 Tage im Jahr, von früh bis spät. Er war noch die klassische Chef-Persönlichkeit: Er wollte alles wissen, war oft der Erste und der Letzte im Betrieb und auch sonntags in der Firma anzutreffen. Gleichzeitig waren ihm seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders wichtig. Diese Haltung hat das Unternehmen geprägt.

Was wünschen Sie sich für die nächsten 70 Jahre Forster?

Mein größter Wunsch ist, dass Forster als Familienunternehmen erkennbar und nahbar bleibt. Wir wollen kein anonymer Konzern mit ständig wechselndem Management werden. Wichtig sind mir eine offene Gesprächskultur, gegenseitige Verlässlichkeit und gleichzeitig der wirtschaftliche Erfolg, den es braucht, um sich weiterentwickeln zu können.

Unsere Rubrik heißt „Die Starken Seiten des Ybbstals“. Was sind für Sie die starken Seiten unserer Region?

Das Ybbstal ist eine sehr lebenswerte Region und bietet gerade Familien enorm viel. Es gibt sichere Arbeitsplätze, engagierte Unternehmen, Schulen, Natur, Freizeitmöglichkeiten und eine starke Gemeinschaft. Kurz gesagt: Hier ist für jeden etwas dabei.

"Die Starken Seiten des Ybbstals" werden präsentiert von:

Veröffentlicht am 2. Oktober 2026

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