Veröffentlicht am 16. Januar 2026

Fünf Sorgen und eine Sorge weniger!

Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über den Neujahrsempfang 2026.

Keine Anlässe im politischen Jahreskalender sind anfälliger für Schönwetterreden als Neujahrsempfänge. Sie laufen meist frei nach dem Rezept ab: „Das haben wir gut gemacht. Jenes werden wir im kommenden Jahr noch besser machen. Das haben wir an Neuem vor!“ Auch der Empfang des Waidhofner Bürgermeisters Werner Krammer schien am 9. Jänner auf den ersten Blick dieser Routine zu folgen. Doch die Überraschung entwickelte sich Schritt für Schritt.

Erste Überraschung: Krammer ließ seinen beiden Vizebürgermeistern Armin Bahr (SPÖ) und Mario Wührer (WVP) sowie Martin Dowalil (FUFU) charmant den Vortritt, worauf diese die positiven Pläne für 2026 vorverkauften. Ihm die Themen abmähten, könnte man sagen. Die geplanten Schulbauten in Konradsheim, St. Georgen und Windhag (Bahr), die Festigung der Sicherheit bei den Feuerwehren Wirts, Waidhofen und Zell (Wührer) und das ökologische Gold-Plating bei Baumaßnahmen (Dowalil). Alles Themen, mit denen es sich prächtig schmücken lässt. Auch die Vorstellung spannender Entwicklungskonzepte am Bahnhof und in Gstadt überließ Krammer Fachleuten.

Er selbst behielt sich die unangenehmen Themen vor. Er überraschte, als er zur Rede anhob: „Ich habe fünf Sorgen für die Stadt.“ Um gleich nachzusetzen: „Aber Sorgen dürfen nicht lähmen. Wir müssen sie als Chance begreifen. Krisen dürfen nicht blockieren. Wir müssen sie mit konkreten Taten meistern. Genau das ist die Stärke unserer Stadt. Schon in der Vergangenheit haben wir es immer wieder bewiesen, dass wir am stärksten sind, wenn die Zeiten herausfordernd sind.“ Was für eine Ansage!

Fünf Sorgen also hat der Bürgermeister, die er nicht nur mit den Parteien im Gemeinderat, sondern auch mit der Bevölkerung teilen will!

Erste Sorge: die Stadtfinanzen. Da hat Krammer recht. Nicht nur Waidhofen, sondern alle Gemeinden treibt die gefährlich aufklaffende Schere zwischen schwächelnden Ertragsanteilen des Bundes und aus dem Ruder laufenden Umlagen an die Länder für Sozialhilfe und Krankenanstalten in die Schuldenfalle.

Zweite Sorge des Bürgermeisters: Die Rolle Waidhofens in der Region im Bereich Gesundheit und Pflege. Ein heißes Eisen, das er da anfasste, aber auch geschickt schmiedete, indem er die anwesenden Vertreter der „Initiative Herzalarm“ für ihren Einsatz lobte. Gemeinsam werde man weiter für das Gesundheitswesen im Ybbstal kämpfen, so die Devise. Wie klug!

Dritte Sorge: die steigenden Kosten für Verwaltung und überbordende Bürokratie. Die Aufgaben der Kommunen nehmen zu, auf den Kosten dafür bleiben sie sitzen. Daran trägt nicht die Stadt die Schuld. Ist so!

Vierte Sorge: Beteiligung. Immer weniger Menschen nehmen am öffentlichen Leben teil. Hier motivierend zu wirken, gleicht einer Sisyphusaufgabe, schwer zu bewerkstelligen. Krammer setzt da Akzente.

Fünfte Sorge: Krammer wörtlich: „Gibt es überhaupt einen Zukunftsplan?“ Er wäre kein Politiker, hätte er da nicht das frisch entwickelte „Leitbild“ aus der Tasche gefischt. Er machte damit klar, dass man sich schon rechtzeitig Pläne zurechtgelegt hat.

Krammers Ansprache war mutig! Er drückte sich um die Sorgen nicht herum, sondern sprach sie an. Er schenkte dem Publikum reinen Wein ein. Die Menschen vertragen das! Krammer ist ein versierter Redner, aber das war eine seiner besten Ansprachen, die ich je von ihm gehört habe. Wenn alle Parteien mit ihm diese Sorgen teilen, dann habe ich um eine Sorge weniger.

Veröffentlicht am 16. Januar 2026

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