Veröffentlicht am 11. April 2026

Fulminanter Konzertabend der Klangschmiede

Zwischen Stille und Ergriffenheit – Haydns „Sieben letzte Worte“ als bewegender Auftakt

V. l.: geschäftsführender Gemeinderat Thomas Seyrl, Bürgermeister Gerhard Lueger, Maria-Diana Engelhardt (Land NÖ), Klangschmiede-Intendantin Anneliese Fuchsluger mit den drei Ybbsitzer Protagonisten Sarah Handsteiner, Matthias Helm und Klaus Ortner
zVg

Ein Auftakt, der unter die Haut ging: In der Karwoche, am 31. März, fand in der Pfarrkirche Ybbsitz die erste „Perle“ der diesjährigen Klangschmiede statt. Und man darf mit Fug und Recht behaupten: Dieser Abend zählt bereits jetzt zu den Höhepunkten der Reihe.

Klangschmiede-Intendantin Anneliese Fuchsluger bewies einmal mehr ihr feines Gespür für Dramaturgie und Besetzung. Sie vereinte herausragende Künstlerinnen und Künstler – viele davon mit starkem Bezug zu Ybbsitz und der Region – zu einem homogenen und zugleich kraftvollen Ensemble. Der Bariton Matthias Helm, der Rezitator Klaus Ortner, der Chor Ybbsitz sowie die Solisten Sarah Handsteiner (Sopran), Cornelia Fahrngruber (Alt), Rudolf Schnabel (Tenor), Micha Sengschmid (Bass) und Lorenz Maderthaner (Oboe) bildeten gemeinsam mit dem Ensemble Klangschmiede unter der Gesamtleitung von Marc Reibel einen beeindruckenden Klangkörper. 

Sowohl der Chor Ybbsitz als auch das Ensemble Klangschmiede überzeugten mit klanglicher Geschlossenheit, stilistischer Sicherheit, großer Ausdruckskraft und präsenter Bühnenwirkung und trugen wesentlich zur eindrucksvollen Gesamtwirkung des Abends bei.

Musikalische Meditation über die letzten Worte Christi

Im Zentrum des Abends stand das Werk „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“ von Joseph Haydn – eine Komposition von außergewöhnlicher spiritueller Tiefe. Basierend auf den Evangelien nach Lukas, Johannes und Matthäus entfaltet das Werk eine musikalische Meditation über die letzten Worte Chris­ti. Die ursprünglich lateinischen Satzüberschriften fungieren dabei als thematische Wegweiser und eröffnen jeweils neue klangliche und emotionale Räume.

Haydns Musik – getragen von tiefer Religiosität und kompositorischer Meisterschaft – wurde in dieser Aufführung mit großer Sensibilität interpretiert. Die Wechsel zwischen kontemplativen Passagen und dramatischen Höhepunkten ließen die Zuhörerinnen und Zuhörer in eine dichte Klangwelt eintauchen, die weit über das rein Musikalische hinausging.

Eine besondere Dimension erhielt die Aufführung durch die sprecherische Gestaltung: Der Schauspieler und Sprecher Klaus Ortner trug mit eindringlicher Präsenz ausgewählte Texte vor. Die fein abgestimmten Gedichte von Rainer Maria Rilke und Chris­tine Lavant sowie die „Sieben letzten Worte“ selbst wurden von ihm mit großer Intensität, sprachlicher Klarheit und spürbarer innerer Anteilnahme rezitiert. Seine Stimme füllte den Kirchenraum mühelos und verband Wort und Musik zu einer dichten, nahezu meditativen Einheit.

Von inniger Zurücknahme bis zu kraftvoller Expressivität

Auch vokal setzte der Abend markante Akzente: Der Bariton Matthias Helm überzeugte mit ausdrucksstarker Gestaltungskraft und klanglicher Wärme. Besonders eindrucksvoll gelangen ihm die Arien „Ich habe genug“ und „Es ist vollbracht“, einfühlsam begleitet von Oboist Lorenz Maderthaner, sowie „Es ist genug“, die er mit großer emotionaler Bandbreite und feinem Gespür für Text und musikalische Linie interpretierte. Hier offenbarte sich die ganze Spannweite seines Könnens – von inniger Zurücknahme bis hin zu kraftvoller Expressivität.

Ergänzt wurde das Programm durch Werke bedeutender Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Johann Sebastian Bach, Gustav Mahler und Wolfgang Amadeus Mozart. Diese klug gewählten Einschübe erweiterten den musikalischen Horizont des Abends und schufen zusätzliche emotionale Facetten – von barocker Strenge bis hin zu spätromantischer Klangfülle. Einen besonders berührenden Schlusspunkt setzte „Ave verum corpus“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Dieses Werk, von schlichter Schönheit und inniger Ruhe geprägt, bildete den stillen Höhepunkt des Abends. In seiner Zartheit und Klarheit wirkte es wie ein musikalisches Innehalten – ein Moment des Sammelns, der das zuvor Gehörte noch einmal verdichtete und lange nachklingen ließ.

Mit der musikalischen Zugabe „Nimrod“ von Edward Elgar entließen die Künstler das Publikum in aller Stille in die Dunkelheit des Abends. Die Vorfreude auf die nächste „Perle“ ist entsprechend groß: Am 18. April um 20.00 Uhr erwartet die Besucherinnen und Besucher bei Aigner Boden.Räume in der Steinmühle (Maisberg 90) das Ensemble „The Solomons“ mit seinem Programm „Love Love Love“.

Veröffentlicht am 11. April 2026

Artikel teilen
Seite
teilen
Seite
teilen
Seite
teilen
Seite
teilen
Seite
teilen
Seite
teilen
Seite
teilen

Mehr zu diesen Themen:

Nach oben scrollen