Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über die NÖ Wirtschaftsstrategie 2030+

Natürlich ist vieles eine Frage der Einstellung; aber längst nicht alles. Das kam mir in den Sinn, als vergangene Woche Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner in einer Pressekonferenz die neue „NÖ Wirtschaftsstrategie 2030+“ vorstellte. Eine bemerkenswerte Veranstaltung mit beeindruckenden Zahlen. Dazu hat sie sich im Ostarrichi-Saal des Landhauses in St. Pölten Wirtschaftsforscher Christian Helmenstein an die Seite geholt. Dr. Helmenstein ist Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Privatuniversität Schloss Seeburg in Salzburg, Chefökonom der Industriellenvereinigung sowie Gründer des Cognion Forschungsverbundes und gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Makro- und Regionalökonomie. Er ist ein ausgewiesener Fachmann für wirtschaftlichen Strukturwandel und Finanzwirtschaft. Derzeit ist er unter anderem Generalrat der Oesterreichischen Nationalbank. Der Mann der Stunde, sozusagen.
Seine Diagnose lautet: „Es geht aufwärts in NÖ!“ Was für eine Ansage! Echt oder Zweckoptimismus? Das ist die Frage! Doch schnell mutiert die Aussage des Ökonomen zur harten Währung, wenn er ausführt: „NÖ hat den Wandel zu einem wissensintensiven Technologie_standort geschafft.“ Man werde im Land unter der Enns mit einem Wirtschaftswachstum von 1,25 Prozent rechnen können, analysierte Helmenstein. (Sein Wort in Gottes Ohr!) Denn, wo es der Wirtschaft in den vergangenen Jahren am meisten gemangelt habe, das war die Zuversicht. In der Folge fehlte es an Planungsfestigkeit. Doch das sei laut Helmenstein nun vorbei. Man hat umgehen gelernt mit amerikanischen Zöllen, die wie im Wind hin- und herpendelten, mit Kursen an den Rohstoffbörsen wie auf der Hochschaubahn und einander widersprechenden und sich laufend selbst überholenden Prognosen, die wie beim Blick in die Glaskugel Schwindelgefühle auslösen. Jetzt zeichne sich ab: Das Zukunftskonzept am Wirtschaftsstandort NÖ steht mit Wissenschaft, Forschung und Bildung auf festen Beinen. Das klingt nach Gesundbeten!
Das Krankjammern folgte auf dem Fuß. Denn drei Tage später sah alles gleich wieder ganz anders aus: Mit den ersten Raketeneinschlägen im Nahen Osten schnellten die Treibstoffpreise in die Höhe, die Lieferketten ruckelten und Flüchtlingsströme machten sich – durchaus verständlicherweise – auf den Weg aus den Kriegsgebieten. Die von Bundeskanzler Christian Stocker formulierte Maxime der Bundesregierung „2-1-0“ (zwei Prozent Inflation, ein Prozent Wirtschaftswachstum, null Toleranz) läuft bei hochfahrenden Energiepreisen, gesperrter Meerenge von Hormus und internationalem Säbelrasseln Gefahr, schnell ins Wanken zu kommen. Die Rückkehr des Krankjammerns?
Doch nein, NÖ kann Kurs halten, entnehmen wir Helmensteins Ausführungen. Und Mikl-Leitner spricht einmal mehr von ihrer „Mission Nobelpreis“. Diese sprachliche Hyperbel soll Forschungsförderung – sozusagen ohne Kompromisse – zum Ausdruck bringen. Deshalb investiert NÖ massiv in Forschungseinrichtungen wie in das ISTA in Klosterneuburg oder in den neuen Campus Hainburg. Wenn das stimmt, was Mikl-Leitner und Helmenstein prognostizierten, dann gilt es nun über alle Alltagswogen hinweg den Blick streng durch den Sextanten in die Ferne zu richten und Kurs zu halten mit Wissenschaft, Forschung und Bildung; lieber Gesundbeten statt Krankjammern!

