Unter dem Motto „Wie im Himmel – so auf Erden“ fand am 2. Mai erneut ein Höhepunkt der Ybbsitzer Klangschmiede statt

Schon die Ortswahl – Beginn in der Pfarrkirche und Fortsetzung im FeRRUM – war auf die Besonderheit des Abends abgestimmt. Mit dem Vokalensemble „Lyra“, den Schlagwerkern, Blechbläsern und Holzbläsern des Musikvereins sowie Organistin Sophie Heim war der Abend auf die Talente aus den Ybbsitzer Reihen ausgerichtet. Mit der prachtvollen Nummer 2 aus den „Canzon Septimi Toni“ von Giovanni Gabrieli wurde eröffnet, bevor Sophie Heim die mächtige Toccata von Charles-Marie Widor zum Klingen brachte. Mit Hildegard von Bingens Antiphon „Nunc aperuit nobis“, das auf die jungfräuliche Geburt Marias Bezug nimmt, begeisterten die Sängerinnen von „Lyra“, bevor das Schlagwerkstück „Gebet“ von der Gruppe der Ybbsitzer Schlagwerker aus der Feder ihres Musikschullehrers Ferenc Csincsis den Kirchenraum erfüllte.

Ö1-Redakteur Andreas Mittendorfer führte nicht nur elegant als profunder Kenner von Musik und historischen Hintergründen durch das Programm, wenn er zwischen den Stücken Verbindendes einflocht, er erwies sich auch als kongenialer Rezitator bei Joseph von Eichendorffs Gedicht „Mondnacht“ – zu Jahres- und Tageszeit passend: „Es war als hätt’ der Himmel die Erde stillgeküsst…“. Mit der Arie „Bist du bei mir“ von Johann Sebastian Bach, einem Pro-Brass-Arrangement für Blechbläser, wurde nicht zuletzt die Pracht des Kirchenprogramms erfüllt. Das Holzbläserensemble, geleitet von Intendantin Anneliese Fuchsluger, wählte aus Felix Mendelssohn Bartholdys „Lieder ohne Worte“ das Stück „Zuversicht“. Es gestaltete damit nicht nur einen Hochgenuss an virtuos ausgefeilter Figuration, sondern formulierte auch einen Appell an die gegenwärtige Zeit der internationalen Zerwürfnisse. Mit Bachs Orgelkonzert in d-Moll begeisterte Sophie Heim einmal mehr, bevor „Lyra“ mit „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“ zum irdischen Teil im FeRRUM überleitete.

© Leo L.

© Leo L.



Ybbsitzer Impressionen im FeRRUM
Mit einem sanften, dreistimmigen Almenruf setzte „Lyra“ im Dachgeschoß des FeRRUM fort, der mit Paukenschlag in die „Fanfare for the Common Man“ von Aaron Copland und dem Brass-Ensemble übergeleitet wurde. In einer furiosen Jagd folgte George Hamilton Greens „Ragtime Robin“, um erneut den Holzbläsern den Weg zu einer nostalgischen „Humoresque“ von Antonín Dvořák aufzubereiten. Mit „Sure on this Shining Night“ des Ensembles „Lyra“ wetterleuchtete bereits der Ausklang, den bei „Greetings to Hermann“ die Schlagwerker und im Traditional „Londonderry Air“ die Blechbläser (im Solo hervorragend: Stephan Riegler!) bei eingeblendeten animierten historischen Ansichten aus Ybbsitz und einem Kurzfilm von Jakob Kasser ins Ziel der Begeisterung brachten.
Die berührenden Schlussworte von Intendantin Anneliese Fuchsluger legten offen, worum es der Klangschmiede in diesem wunderbaren Doppelkonzert ging: ausschließlich mit Ybbsitzer Musikerinnen und Musikern die Talente des Ortes sichtbar zu machen und diesen eine Bühne zu geben. Ein grandioses Festival mit Herz!

