Veröffentlicht am 11. Januar 2026

Hochgenuss mit Strauss und Lehár

Das Kammerorchester Waidhofen begeisterte und überzeugte mit einem Neujahrskonzert, das dem ausklingenden Jahresregenten Johann Strauss alle Ehre machte. Für zusätzliche Würze sorgten Gesangspartien aus Lehár-Opern mit Solisten aus dem Opernstudio der Wiener Staatsoper

Kammerorchester-Obmann Raimund Tremetsberger, Bürgermeister Werner Krammer, Tenor Andrew Turner, Sopran Ana Garotić und Dirigent Wolfgang Sobotka (v. l.) freuten sich über ein gelungenes Neujahrskonzert. © Leo L.

Das Neujahrskonzert des Waidhofner Kammerorchesters erwies sich an beiden Abenden – am 30. Dezember 2025 sowie am 1. Jänner 2026 – als glanzvoller musikalischer Auftakt ins neue Jahr. Im jeweils ausverkauften Schlosscenter Waidhofen entfaltete sich unter der Leitung von Nationalratspräsident außer Dienst Wolfgang Sobotka ein Programm, das ganz der Strauss-Dynastie und der goldenen Epoche der Operette gewidmet war und dabei weit mehr bot als bloße Traditionspflege.

Bereits der Einzugsmarsch aus dem „Zigeunerbaron“ setzte ein markantes Zeichen: präzise artikuliert, rhythmisch federnd und mit jener stilistischen Noblesse musiziert, die den Unterschied zwischen routinierter Wiedergabe und wirklicher Gestaltung ausmacht. Sobotka führte das Waidhofner Kammerorchester mit klarer Zeichengebung und spürbarer Affinität zur Wiener Klangsprache. Elastische Tempi, fein abgestufte Dynamik und ein Sinn für das tänzerische Moment prägten den gesamten Abend. Besonders in den schnellen Polkas, etwa in „Leichtes Blut“ oder „Nur fort“, überzeugte das Orchester durch virtuose Geschlossenheit und pointierte Akzente, ohne je ins Hastige zu kippen.

Stürmischer Applaus für das Kammerorchester Waidhofen und Sopran Ana Garotić, Tenor Andrew Turner sowie Dirigent Wolfgang Sobotka (v. l.) © Leo L.

Überzeugende Gesangssolisten aus dem Opernstudio der Wiener Staatsoper

Ein Höhepunkt des Abends waren die Gesangssolisten aus dem Opernstudio der Wiener Staatsoper. Ana Garotić gestaltete das Saffi-Lied „So elend und so treu“ mit lyrischer Wärme und technischer Souveränität. Ihr Sopran verband Klarheit in der Höhe mit fein nuancierter Phrasierung, wodurch der innige Charakter der Arie eindrucksvoll zur Geltung kam. Andrew Turner wiederum begeisterte als Caramello mit „Komm in die Gondel“ durch strahlende Tenorhöhe und charmante Bühnenpräsenz. Sein „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Lehárs Operette „Land des Lächelns“ geriet zu einem emotionalen Kulminationspunkt des Konzerts: getragen, doch nie sentimental, mit klug dosierter Intensität und sicherer Linienführung. Im Duett „Wer uns getraut“ harmonierten beide Stimmen vorzüglich und bewiesen ein sensibles Gespür für Dialog und musikalische Balance.

Sopran Ana Garotić und Tenor Andrew Turner begeisterten das Waidhofner Publikum. © Leo L.

Orchester strahlte in Glanzlichtern

Auch die rein orchestralen Werke boten zahlreiche Glanzlichter. Der Walzer „Frühlingsstimmen“ schwebte mit eleganter Leichtigkeit dahin, während „Freut euch des Lebens“ durch großzügige Rubati und warmen Streicherklang bestach. Die Ouvertüre zum „Zigeunerbaron“ bündelte schließlich noch einmal die dramatische wie humorvolle Vielfalt der Operette und zeigte das Orches­ter auf dem Höhepunkt seiner Spielfreude. Josef Strauss’ Polka Mazur „Brennende Liebe“ und die Zigeunerbaron-Quadrille erweiterten das Programm um farbenreiche Facetten, die vom Ensemble mit spürbarer Hingabe ausgekostet wurden.

Auch Oberösterreichs Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl (r.) besuchte das Neujahrskonzert in Waidhofen. © Leo L.

Präsidiale Moderation

Den Moderator des Abends gab Maestro Wolfgang Sobotka persönlich. Mit beeindruckendem historischen und biografischen Detailwissen, das er als Historiker geschickt mit geschichtlichen Querbezügen verspann, unterhielt er das Publikum in einem von Leichtigkeit und Präzision getragenen Vortrag zwischen den Werken, den er zur Freude der Gäste mit herzlichen Anekdoten zu würzen verstand. Mit dem „Donauwalzer“ und dem „Radetzky-Marsch“ als Zugaben erfüllte man schließlich die Erwartungen des Publikums. Nicht als routiniertes Pflichtprogramm, sondern als gemeinschaftsstiftendes Finale, das den Saal noch einmal zum Klingen brachte. Dieses Neujahrskonzert war ein überzeugender Beweis dafür, dass musikalische Tradition dann am lebendigsten ist, wenn sie mit künstlerischem Anspruch, Stilbewusstsein und echter Begeisterung gepflegt wird. Ein Anspruch, den sich Dirigent Wolfgang Sobotka nicht nur selber stellte, sondern den er mit dem Kammerorchester effektvoll mit Leben zu füllen verstand.

Veröffentlicht am 11. Januar 2026

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