Veröffentlicht am 5. Dezember 2025

Ich bin dann mal im Homeoffice

Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über die alternative Homeoffice

Bundeskanzler Christian Stocker, hieß es kürzlich einhellig, habe nach seiner Rückenoperation die Amtsgeschäfte aus dem Homeoffice geführt. Eine noble Dienstauffassung! Er hätte auch – wie manch anderer in so einem Fall – in Krankenstand bleiben können. Homeoffice also – gleiche Arbeit, nur daheim halt. Dabei ist der Ausdruck Homeoffice vielen von uns erst seit der Pandemie geläufig.

Ich selbst habe Homeoffice in den vergangenen fünf Jahren möglichst vermieden, außer an den paar Tagen, nachdem die Westbahnstrecke gesperrt war, als beim Jahrhunderthochwasser der Bahnhof Tullnerfeld unter Wasser stand. Bei der Leitung einer Abteilung mit rund 100 Beschäftigten ist Präsenz ein Zauberwort. Mit 72.000 Bahnkilometern im Jahr allein auf Fahrten von Waidhofen nach Wien bin  ich wahrscheinlich einer der treuesten Bahnkunden im Land. Mein Höchststand an Westbahnpunkten lag bei 2.400, bei der ÖBB habe ich längst Goldschiene-Status! Mit vielen Schaffnern bin ich längst per du, nicht nur mit Josef Gschwandegger, dem Waidhofner Gemeinderat, oder dem Hollensteiner Eckehard Buder, dem vielleicht freundlichsten und gewissenhaftesten Schaffner der ÖBB, der mich um fünf Uhr in der Früh beim Besteigen des Railjets gern mit breitem Grinsen und dem Satz „Host a nimma schlofa kenna?“ begrüßt.

Mir ist in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass man, abgesehen von Wochenenden, montags und vor allem freitags am ehesten einen Parkplatz in den „Park & Ride“-Garagen bekommt: An den Tagen dazwischen hat man nach acht Uhr kaum eine Chance auf einen Stellplatz. Der Grund für diese ungleiche Verteilung? Eine kürzlich präsentierte Statistik besagt, dass 80 Prozent der Homeoffice-Tage an Montagen und Freitagen genommen werden. Ein Schelm, der hinter dieser Statistik Kalkül vermutet.

Es gibt freilich eine Reihe von Berufen, für die Homeoffice wie geschaffen ist. Wer ablenkenden Gesprächen im Büro ausweichen möchte, um zielstrebig an einer Aufgabe oder einem Text zu arbeiten, der ist im eigenen Wohnzimmer gut abgeschirmt. Für Journalistinnen, Texter, Übersetzer oder Buchhalterinnen ist die ungestörte Atmosphäre für konzentriertes Arbeiten ein wahrer Segen. Dabei birgt Home­office unbestreitbar Zeiteinsparungspotenzial. Es erübrigen sich An- und Heimreise, Staus auf der Straße, Parkplatzsuche, vielleicht sogar die langwierige Garderobenwahl, wenn man ungeschminkt und in der Jogginghose im Heimbüro Arbeit in den Computer klopft.

Andererseits gibt es Berufe, für die Homeoffice völlig unmöglich ist: Wie gesagt Schaffner, aber auch Personen in der Produktion, an den Maschinen, am Bau, in der Landwirtschaft, bei der Pflege und im Gesundheitswesen. Für Chauffeurinnen, Putzkräfte oder im Handel braucht es die tätigen Hände vor Ort. „Homeoffice wäre nie etwas für mich gewesen“, sagte mir kürzlich in der Pause eines Klang­raum-Konzertes einer der beliebtesten Professoren der Handelsakademie, bereits pensioniert und vereinsmäßig dem Sport treu geblieben, der mir bestätigte: „Wäre ich jung und stünde vor der Berufswahl, ich würde wieder Lehrer werden, denn die Arbeit mit den Jugendlichen ist sinnstiftend und persönlich so lohnend. Homeoffice wäre dazu keine Alternative.“

Veröffentlicht am 5. Dezember 2025

Artikel teilen
Seite
teilen
Seite
teilen
Seite
teilen
Seite
teilen
Seite
teilen
Seite
teilen
Seite
teilen

Mehr zu diesen Themen:

Nach oben scrollen