„Mein Garten ist (k)ein Schrottplatz“ kündet das einzigartige Freilichtmuseum

In Abetzdorf in der Marktgemeinde Kematen entsteht seit etlichen Jahren ein außergewöhnliches Freilichtmuseum, das schon viele Interessierte bei einer Hunde- oder Wanderrunde am Schneerosenweg hat innehalten lassen. Initiator Karl Beck begann mit seiner ungewöhnlichen Sammlung bereits 2007, als er seine Weltuhr vor dem heutigen Areal installierte. Was seither geschehen ist und warum, erzählt der 48-Jährige Redakteurin Karin Novak direkt bei seinem erst 2023 angelegten Teich.
Karl Beck hat drei Leidenschaften: Natur, Technik und Sport. Als Betriebselektriker in der Mondi lebt er die Technik beruflich aus, als Marathonläufer und mittlerweile sogar Triathlet den Sport und alle drei Passionen gemeinsam verbindet er auf ungewöhnliche Weise direkt bei seinem Elternhaus, in dem drei Generationen leben. Neben seiner Mutter wohnt auch die Schwester mit ihrer Familie in dem schmucken Vierkanter.
Von den 24 Marathons, die er bisher absolvierte, hatte er für die in den USA liegenden Städte Seattle und Miami die längste Anreise zu absolvieren. „Die exakte Entfernung und auch Ausrichtung findet man auf meiner Weltkugel im Sträucherlabyrinth“, so der neunfache Onkel. Für den Schwimmteich, der mitten im Areal liegt, schüttete er Unmengen von Erdmaterial an, um den Boden zu begradigen. 2023 begann der sportliche Single mit dem Bau des Schwimmteichs, dessen Länge er auf 34 Meter anlegte. „Drei Längen ergeben so gut 100 Meter. Hier kann ich mein Schwimmtraining für die Triathlons absolvieren“, so der Sportler in ihm. „Aber auch den Tieren, den Vögeln taugt der Teich als Wasserspender“, so der Naturverbundene. Zum Entspannen lädt das Idyll erst recht ein. Eines der ungewöhnlichsten Poolhäuschen des Landes ist ein ehemaliger Hochsilo, den er zu einer Bar umgebaut hat. „Das eignet sich auch gut zum Feiern mit Freunden“, erzählt der Löwe-Geborene, der erst vor Kurzem seinen Geburtstag gefeiert hat.
Was mit einer Weltuhr und einem Auto im Baumkreis vor dem Areal seinen Anfang genommen hat, wird nun Schritt für Schritt zu einem Freilichtmuseum der etwas anderen Art.
Von Bierdeckel bis U-Bahntür
Auf sein Lieblingsstück angesprochen, führt der Sammler zu einer U-Bahntür, deren Türen sich öffnen lassen und hinter der sich sein erstes und bis dato einziges E-Bike aus dem Jahr 1999 verbirgt. Ungewöhnliches findet man hier, wohin man blickt. So entdeckt man einen Mausfriedhof im HIFI-Container wie ebendort einen Kinoprojektor der Filmbühne Waidhofen aus dem Jahr 1956 oder an unterschiedlichen Stellen Plexisäulen, die er mit Jägermeister-Fläschchen, Tennisbällen, Bierdeckeln oder Kronkorken befüllt, um zu sehen, wie sie sich – der Natur und ihren Temperaturschwankungen ausgesetzt – verändern. Zu jeder dieser Säulen findet man eine Geschichte zur Entstehung bzw. der vormaligen Verwendung des Säuleninhalts. Ebenso kann man über ein Abstellgleis von der ÖBB staunen, für das er noch auf der Suche nach einem Schienenfahrzeug ist. Beeindruckend auch eine Bandsäge aus 1878, die bis vor vier Jahren noch in Betrieb bei Fassbinder Stockinger in Waidhofen war. Welche Motivation dahinter steckt, ob Karl Beck einfach Ausrangiertes vor dem Materialtod retten oder Sozialkritik üben will, beantwortet er schlicht: „Ich mag meine gepflegte Wildnis und bin immer wieder überrascht, wie sich die Natur alles zurückerobert, wenn man sie lässt. Ich will mit diesem Projekt einfach die Verbindung von Natur und Technik sichtbar machen.“
Dass es schon jetzt viele Interessierte gibt, belegen die vielen Gruppen, die sich bereits zu Führungen angemeldet haben. Gerne nimmt er Anmeldungen entgegen und führt durch seinen Park, der erst nach der Umzäunung des Wasserparks, – voraussichtlich im nächsten Jahr – offiziell eröffnet wird. Für einen kleinen Energieausgleich steht vor dem Museum eine alte Telefonzelle, die für freiwillige Spenden geöffnet ist. Offen ist Karl Beck auch jederzeit für weiteres „Museumsmaterial“. Ob alte Container, nicht mehr verwendete Fitnessgeräte, Spielautomaten oder andere ausrangierte Gegenstände, der Sammler ist an allem interessiert, was er vor dem Schrottplatz retten kann.
Kontakt:
Tel. 0664/737 411 25
E-Mail karl@becks-welt.at
www.becks-welt.at
Wordrap
- Mein Wunschberuf als Kind: für meine Mutter Landmaschinenmechaniker, für mich Elektriker
- Die berühmten Drei für die einsame Insel: Schraubenzieher, Luftmatratze, Schwimmbrille
- Mein Sehnsuchtsort: Zu Hause ist es am schönsten
- Wen ich gerne einmal treffen würde/getroffen hätte: Mark Mateschitz
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- Was ich schon immer einmal tun wollte, mich aber nicht getraut habe: Für einen Ironman trainieren und zu finishen
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