Veröffentlicht am 26. Juli 2025

Interview mit Leo Schauppenlehner

„Wir leben nicht von der Leichtathletik, wir leben für die Leichtathletik“

Leo Schauppenlehners Lebensmotto: „move brain and body“ zVg

Leo Schauppenlehner, gebürtiger Leonharder, ist aus der Waidhofner Sportwelt nicht wegzudenken. Der pensionierte Pädagoge war zuerst jahrelang Leichtathletik-Sektionsleiter, später Obmann der Sportunion, Organisator des legendären Bergturnfests, des Buchenberglaufes, über 20 Jahre Hauptorganisator des Stadtlaufs und schließlich 2023 Mitbegründer und seither sportlicher Leiter des Leichtathletikclubs, kurz LAC Waidhofen.

Schon länger etabliert hat sich das von Leo Schauppenlehner und Milan Eror initiierte Abendmeeting im Alpenstadion, das mittlerweile als Harreither-Lauf-Nacht internationale Bekanntheit erlangt hat und heuer am 15. August zur Austragung gelangt. Woraus die Idee des Abendmeetings geboren wurde, welche Bedeutung der Sport im Allgemeinen und die Leichtathletik im Besonderen für den 69-Jährigen haben, wie wichtig Ausdauer nicht nur im Sport ist und was er sich als Lebensmotto erhoben hat, erzählt der zweifache Vater Redakteurin Karin Novak in einem ausführlichen Gespräch.

Warum hat es einen weiteren Sportverein in Waidhofen gebraucht?
Dazu muss ich ein klein wenig ausholen. In den 90er-Jahren flüchtete Milan Eror, ein Spitzenläufer, aus dem Jugoslawienkrieg und kam nach Waidhofen. Er saß damals als Erwachsener in meiner Deutschklasse in der Hauptschule, um die Sprache zu lernen, und hat nachmittags gemeinsam mit mir Jugendliche in der Leichtathletik betreut. Wir haben uns ausgesprochen gut ergänzt. Später, als Pflichtschulinspektor in Scheibbs, musste ich aus zeitlichen Gründen mein sportliches Engagement reduzieren. Milan und ich liefen uns erst wieder nach meiner Pensionierung über den Weg, als er bereits seinen Sohn Damjan trainierte. Und auch ich wurde wieder aktiv. Ein Zerwürfnis zwischen der Sportunion und Milan führte zum Ausschluss als Trainer. Seine jungen Athleten wollten aber weiterhin von ihm trainiert werden. Also wäre nur die Möglichkeit geblieben, zu einem Verein in eine andere Stadt zu wechseln. Dazu sagte aber Milan: „Ich bin seit 30 Jahren Waidhofner, Waidhofen hat mir viel gegeben, ich möchte weiterhin Waidhofen vertreten.“ Also gründeten wir den LAC.

Wie viele Mitglieder hat der LAC aktuell?
Mit den Jugendlichen und Teilen der Eltern sind wir an die 40. Im Winter gibt es eine eigene Kindertrainingsgruppe, wo es darum geht, sie spielerisch an die Leichtathletik zu führen, fernab von Leis­tungsdenken. Da treffen sich bis zu 15 Kinder. Bei Meisterschaften sind wir vom LAC mit acht bis zehn Athleten vertreten.

Was sind die bisher größten Erfolge des jungen Vereins?
Damjan Eror holte 2023 und 2024 mehrfache Meistertitel in der Jugendklasse und heuer sogar die Silbermedaille bei der Staatsmeisterschaft in der Allgemeinen Klasse, er ist also Vizestaatsmeis­ter über 3.000 Meter Hindernis. Seine Qualifikation für die Europameisterschaft ist natürlich auch ein toller Erfolg. Dann ist da noch Denis Kronsteiner, der im Vorjahr dreifacher Landesmeister in der Allg. Klasse wurde. Und nicht zu vergessen unsere großartige Bergläuferin (mehrfache Masters-Berglaufeuropameisterin) Barbara Taibon, die von der Stadt Waid­hofen mit dem [a:bua]-Preis ausgezeichnet wurde.

Mit welchen Stärken punktet der LAC?
Wir bieten leistungswilligen Kindern, Schülern und Jugendlichen eine Plattform, sich leichtathletisch weiterzuentwickeln und das mit viel Erfahrung von unserer Seite. Milan selbst war aktiver Spitzenläufer, hat Österreich beim Europacup vertreten, und auch ich kann auf eine jahrzehntelange Expertise zurückgreifen. Die Erfahrung fließt wiederum in ein Trainingskonzept, das sehr klar und fokussiert ist. Wenn sich jemand darauf einlässt, führt das zu Erfolgen. Konsequenz ist dafür die Prämisse. Und ganz wichtig ist der Teamspirit. Wir trainieren, wann immer es geht, gemeinsam. Damjan und Denis absolvieren mit den Jüngeren Trainingseinheiten, was diese motiviert. Sie sind auch Vorbilder, wenn es einmal gilt, ein Tief zu überwinden. Motivation ist auch die interne Konkurrenz. Den Stadtlauf hat heuer Damjan gewonnen, Denis klare Ansage im Positiven: „Nächstes Jahr zeige ich es dir.“ Die Leidenschaft zu diesem Sport hat Milan Eror schön auf den Punkt gebracht: „Wir leben nicht von der Leichtathletik, wir leben für die Leichtathletik.“

Wie entscheidend ist das sportliche Talent?
Lange hielt sich als Vorgabe das Talent, heute weiß man: Entscheidender ist die Konsequenz, die Ausdauer, das Dranbleiben. Toni Innauer schreibt in seinem neuen Buch (Ein neues Leben) „Ausdauer schlägt Talent“. Das unterstreiche ich. Ein schönes Beispiel ist für mich Thomas Muster. Es gab wesentlich Talentiertere im Tennis, er aber hat es mit zäher Willenskraft und Konsequenz an die Weltspitze geschafft, während viele mit mehr Talent auf der Strecke blieben. Genau das aber ist heute die große Herausforderung. Die Welt ist groß, vielfältig und voller Ablenkung. Da braucht es gehörige Disziplin und Motivation, um dranzubleiben, konsequent zu trainieren. Und man muss lernen, mit Niederlagen und Rückschlägen umzugehen. Das hilft einem auch im späteren Leben – beruflich wie privat. Dafür braucht es aber mentale Unterstützung und Betreuung, die leider teilweise unterschätzt wird und zu kurz kommt.

Die Harreither Laufnacht, die mittlerweile weit über die Grenzen Waidhofens hinaus bekannt ist, steht vor der Tür. Wer hatte die Idee dazu?
In der Pandemie gab es keinerlei Wettkämpfe. Wir wollten den Athleten, die in dieser Zeit jeder für sich einsam trainierten, einfach die Möglichkeit einer Standortbestimmung bieten. Da wir in Waidhofen mit dem Alpenstadion eine tolle Leichtathletikanlage haben, entstand die Idee eines Abendlaufmeetings, die wir 2020 erstmals umsetzten. Hunderte Läufer kamen, weil es in der Zeit in ganz Österreich nichts Vergleichbares gegeben hat. Kein Wunder bei all den Vorschriften. Uns war es das Wert:. Wir haben im Alpenstadion alle Athleten, Betreuer, Kampfrichter und Zuschauer getestet, auf die Abstände geachtet und alle Vorgaben eingehalten. Das war schon ein enormer Aufwand. Zusätzlich investierte die Stadt dankenswerterweise in eine moderne vollelektronische Zeitnehmung, die Voraussetzung für derartige Meetings ist. Wenn man etwas erreichen möchte, muss man halt auch die Grenzen ausloten. Heute kommen Läufer aus ganz Österreich, aus Tschechien, den Balkanländern. Zum einen liegt das Alpenstadion in einem Kessel, weshalb es dort abends meistens windstill ist und gute Zeiten erlaufen werden können, zum anderen schütten wir Prämien für die besten Leistungen aus. Dafür wiederum braucht es gute Sponsoren, die wir aber zum Glück haben.

Was wünschen Sie sich für den LAC?
Ich wünsche mir – nicht nur für den LAC –, sondern insgesamt für die Leichtathletik einen höheren Stellenwert in der Öffentlichkeit. Sie gilt da oder dort noch immer als Randsportart, dabei ist Leichtathletik die olympische Kerndisziplin schlechthin und ich brauch sie immer, welchen Sport ich auch ausübe. Ich möchte aber noch kurz den Fokus vom Leistungssport auf Sport und Bewegung im Allgemeinen lenken. Es ist wissenschaftlich erwiesen: Bewegung wirkt sich positiv auf die geistige Entwicklung aus, dient zur Burnout-Prophylaxe und macht den Menschen ausgeglichener. Der Sport dient sozusagen als „Zapfsäule für Gesundheit“. Dabei ist Laufen die natürlichste und einfachste Art sich zu bewegen. Dafür braucht es nicht viel, keine teuren Gerätschaften oder Mittel. Ein Paar Laufschuhe reichen und schon kann man diesen Sport ausüben. Während man sich bewegt, kann man den Tag reflektieren, kann man vieles abschütteln, kommt mit neuen Gedanken heim.

Was bedeutet ihr Lebensmotto, ihr Credo „move brain and body?
Die Verbindung von Geist und Körper ist eine ganz wichtige. Für mich war immer die Weiterentwicklung beider Teile ein zentraler Punkt. So wie Bewegung und Sport den Körper jung halten, so ist es wichtig, sich für Neues zu interessieren, offen und neugierig zu bleiben, um den Kopf jung zu halten.

Vielen Dank für das Interview!

Wordrap

  • Mein Wunschberuf als Kind: Priester, nicht so sehr, weil es mein Wunsch war, es war der Wunsch der Familie
  • Die berühmten Drei für die einsame Insel: die Bibel, etwas zum Schreiben und ordentliche Schuhe
  • Mein Sehnsuchtsort: Altausseer See
  • Wen ich gerne einmal treffen würde/getroffen hätte: die griechischen Philosophen Aristoteles und Sokrates
  • Team Hund oder Katze: Vogel (lacht)
  • Serientipp für ein verregnetes Wochenende: Ich schaue überhaupt keine Serien
  • Mein letzter Konzertbesuch: das Sommerkonzert vom Waidhofner Kammerorchester
  • Was ich schon immer einmal tun wollte, mich aber nicht getraut habe: den Mont Blanc zu besteigen
  • Meine „letzte“ Mahlzeit: ein Steak, zubereitet von meiner Frau, mit einem Glas Rotwein
Veröffentlicht am 26. Juli 2025

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