Veröffentlicht am 5. Juli 2026

Kammerorchester begeisterte mit Tamás Varga

„Waidhofner Fanfaren“ würdigten Komponist Ulrich Küchl

Das Kammerorchester begeisterte im Sommerkonzert. © Leo L.

Mit einem Konzert von großer emotionaler Dichte und musikalischer Strahlkraft bewies das Waidhofner Kammerorchester am vergangenen Wochenende einmal mehr seine herausragende Stellung in der regionalen Kulturlandschaft. Das Sommerkonzert, das am Samstag, 27. Juni, in der Stiftskirche Admont sowie am Sonntag zunächst im Schlosscenter Waidhofen und schließlich in der Turnhalle Weyer zu erleben war, verband Virtuosität und sinfonische Klangfülle zu einem eindrucksvollen Gesamterlebnis.

Bereits der Auftakt verlieh dem Konzert eine besondere Atmosphäre. Mit den „Waidhofner Fanfaren“ gedachte das Orchester seines Komponisten Ulrich Küchl, der im Mai bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen war. Dirigent und Orchesterleiter Wolfgang Sobotka würdigte Ulrich Küchl als Freund des Kammerorchesters, der diesem viele Werke gewidmet hatte und ihm als Berater und Motivator stets nahe war. Die Aufführung des dem Kammerorchester und der Stadt zugeeigneten Werks geriet zu einer würdevollen musikalischen Hommage, getragen von großer Konzentration und spürbarer Anteilnahme aller Mitwirkenden.

V. l.: Orchesterleiter Wolfgang Sobotka, Monika Putzer, Solist Tamás Varga, Obmann Raimund Tremetsberger und Bürgermeister Werner Krammer © Leo L.

Antonín Dvorák mit Tamás Varga

Mit Antonín Dvořáks Konzert für Violoncello und Orchester in h-Moll folgte eines der bedeutendsten Werke der Celloliteratur. Als Solist begeisterte Tamás Varga, Solocellist der Wiener Philharmoniker, vom ersten Ton an mit einem Spiel von außergewöhnlicher Ausdruckskraft. Sein warmer, tragfähiger Klang, die makellose Technik und die fein gezeichneten lyrischen Passagen machten das Konzert zu einem unvergleichlichen Höhepunkt. Ebenso beeindruckend war das sensible Zusammenspiel von Solist und Orchester. Wolfgang Sobotka gelang es, das Ensemble stets transparent und aufmerksam zu führen, sodass Varga alle Freiheiten für seine musikalische Gestaltung erhielt, ohne dass die sinfonische Substanz des Werkes an Gewicht verlor.

Der frenetische Applaus des Publikums war die logische Konsequenz einer außergewöhnlichen Interpretation. Mit der Zugabe „El cant dels ocells“ („Das Lied der Vögel“) setzte Tamás Varga einen weiteren bewegenden Akzent. Das traditionelle katalanische Weihnachtslied, das durch Pablo Casals zu einer weltweiten Hymne für Frieden und Freiheit wurde, erklang in dessen berühmtem Arrangement in einer Schlichtheit und Innigkeit, die den Konzertsaal für einige Minuten in andächtige Stille versetzte.

Dvoráks Sinfonie Nr. 8 

Nach der Pause entfaltete das Waidhofner Kammerorchester mit Dvořáks Sinfonie Nr. 8 in G-Dur seine ganze orchestrale Klasse. Sobotka leitete das Ensemble mit kraftvoller Gestik und hohem Anspruch. Seine fordernde, präzise Probenarbeit war in jeder Phrase hörbar: Die Streicher überzeugten mit klanglicher Geschlossenheit und geschmeidiger Linienführung, die Holzbläser setzten farbenreiche Akzente, während das Blech mit Strahlkraft, jedoch stets ausgewogen in den Gesamtklang eingebunden, imponierte. Rhythmische Präzision, dynamische Differenzierung und ein feines Gespür für die böhmische Klangsprache verliehen der Interpretation Frische und mitreißende Energie.

Besonders beeindruckte, mit welcher Selbstverständlichkeit das Orchester zwischen lyrischer Innigkeit und jubelnder Klangentfaltung wechselte. Die Musik wirkte nie routiniert, sondern lebendig, atmend und von echter Spielfreude getragen. Sobotka verstand es, seine Musikerinnen und Musiker zu Höchstleistungen zu führen, ohne jemals den natürlichen Fluss der Musik zu beeinträchtigen.

So wurde das Sommerkonzert zu weit mehr als einer gelungenen Aufführung zweier Meisterwerke Antonín Dvořáks. Es war ein Fest der musikalischen Gemeinschaft und zugleich ein eindrucksvoller Beweis für das hohe künstlerische Niveau des Waidhofner Kammerorchesters, das unter Wolfgang Sobotkas engagierter und inspirierender Leitung einmal mehr seine außergewöhnliche Qualität unter Beweis stellte. 

Veröffentlicht am 5. Juli 2026

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