Kolumne von Chefredakteurin Sandra Grafenender

Gleich vorweg: Künstliche Intelligenz (KI) oder auch AI, die englische Kurzform dafür, ist absolut nicht mein Spezialgebiet. Worte allerdings schon. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat „KI-Ära“ zum Wort des Jahres 2025 gekürt. Es steht für den epochalen Wandel, den unsere Gesellschaft gerade durchmacht, da KI bereits alle Lebensbereiche durchdringt. Interessant. Mein Gehirn (und wahrscheinlich bin ich damit komplett allein auf der großen, weiten Welt) spuckt beim Begriff „künstliche Intelligenz“ Assoziationen aus wie Kunstrasen, Kunstdruck, künstliche Zusatzstoffe oder auch Kunstdünger. Wie bitte? Etwas, das immer grün, perfekt und pflegeleicht ist, aber eben nicht echt? Ein Bild als „Abklatsch“ vom Original, das unendlich vervielfacht werden kann? Geschmacksverstärker, die etwas „Genießbares“ vorgaukeln? Kunstdünger, der die weltweite Nahrungsmittelproduktion massiv gesteigert hat, aber hinsichtlich Bodenleben, Umweltverschmutzung, Klimawandel und Abhängigkeit auch massiv unter Kritik gekommen ist? Was soll das alles bitte mit KI zu tun haben?
Mhm … Der Durchschnittsmensch, also auch ich, verbindet aktuell mit künstlicher Intelligenz vorwiegend ChatGPT & Co (natürlich ist es noch viel mehr). Diese Tools eröffnen vielen eine Welt, die ihnen bisher verwehrt war. Plötzlich „können“ alle
schreiben, Grafiken oder Videos erstellen … Ok, ich gebe es zu: Es ist äußerst angenehm, nun lesbare und ansprechend formulierte E-Mails von jemandem (also ChatGPT) zu bekommen, der sich eigentlich im Ausdruck sehr schwertut.
Auch interessant: Ich fragte kürzlich einen Lehrer meines Sohnes, wie man für sein Fach lernt, wenn es bei Schul- wie auch Hausübungen zwar Angaben aber keine korrigierten Lösungen von ihm gibt. Er meinte darauf: „Wir setzen voll auf ChatGPT. Wenn er die Angaben dort eingibt, hat er ja die Lösungen.“ Aja … ich habe dann nur noch schrilles Sirenengeheul gehört, also denke ich, ich habe ihn falsch verstanden. Na gut, dem Fortschritt soll man sich ja bekanntlich nicht entgegenstellen. Da ist man schnell „old school“. Weiterentwicklung, Weitergehen ist essenziell … Die Frage ist nur, befinden wir uns auf der richtigen Spur? Oder hoffen wir auf die nächste „Back-to-Bio-Bewegung“ … zurück zum echten Leben, echtem Können, echter Kreativität? Ohne Kunstdünger.

