Veröffentlicht am 10. November 2025

„Kleinräumig haben Medien Zukunft“

Medienexperte Karl Lahmer über Chancen von regionalen Medien in Print, online und Social Media

Karl Lahmer, Inhaber einer Medienagentur in Haunoldstein, setzt sich mit Medien allgemein und unter anderem mit der Zukunft lokaler Printmedien auseinander. © Leo L.

Karl Lahmer aus Haunoldstein, Journalist und Pressefotograf, langjähriger Pressesprecher der Caritas St. Pölten, Inhaber einer Medienagentur und Redaktionsleiter, referiert am Dienstag, 11. November, 19.30 Uhr im Schloss St. Peter/Au zum Thema Medien, insbesondere „Soziale Medien“. Der „Ybbstaler“ hat ihn im Vorfeld getroffen, um seine Einschätzung der Chancen von regionalen Medien, wie der „Ybbstaler“ eines ist, in Print, online und Social Media zu fragen.

Herr Lahmer, Zeitungsverlage landauf landab verlieren an Auflage und kündigen massenweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Stehen Print-Medien vor dem Aus?
Sie haben Recht, viele Zeitungen bauen derzeit massiv Auflage und Mitarbeiterschaft ab, sparen beim Wichtigsten, den Journalistinnen und Journalisten und verlieren an Qualität und Niveau. Aber nicht alle! Es gibt in ganz Europa auch gelingende Gegenbeispiele, wie gerade lokale Medien an Auflage zulegen.

Sind das seltene Ausnahmefälle?
Das sind jene Zeitungen, die sich regional mit Qualitätsjournalismus aufstellen und zusätzlich zu Print rechtzeitig auf die Kraft des Onlineauftritts und der sozialen Medien setzen. Manche von ihnen schaffen es auch, einen Kult-Status bei ihren Leserinnen und Lesern zu erreichen. Der Wiener Programmzeitschrift Falter ist dies etwa gelungen. Aber das Wichtigste ist wohl, dass man der regionalen Wirtschaft klar macht, dass sie es ist, die von einem regionalen Medium besonders profitiert. Besonders dann, wenn das Medium in der Bevölkerung verwurzelt und mit langer Tradition gut eingeführt ist.

Wie das?
Wir steuern auf eine Zeit zu, in der immer unsicherer wird, was wahr und was falsch, also Fake News, ist. Es wird in Zukunft von großer Bedeutung sein, wie groß das Vertrauen der Bevölkerung in ein Medium ist. Lebt dieses Medium seine Unabhängigkeit und seine Tradition, so schafft das Vertrauen und Verbindlichkeit.

Muss eine regionale Zeitung bestrebt sein, in größere Einzugsbereiche hinaus zu wachsen, um bestehen zu können?
Da wäre ich sehr vorsichtig! Je besser und vielfältiger eine Regionalzeitung die Orte, Gemeinden, Vereine und die Wirtschaft in der Region abbildet, desto größer wird das Vertrauen und auch das Interesse der Bevölkerung und der Wirtschaft an dem Medium sein. Tiefe, Detailreichtum, hohe Strukturiertheit, Facettenreichtum – das sind die Trümpfe für eine regionales Medium. Kleinräumig haben Medien Zukunft! Denn das können überregionale Medien, die sich Online-Suchmaschinen ausliefern und ihre Artikel immer mehr von künstlicher Intelligenz zusammentragen lassen, nicht. Immer mehr Medien drängen sich um die Aufmerksamkeit der Menschen, liefern immer mehr an Inhalten aller Art, doch die Menschen haben auch künftig nicht mehr als 24 Stunden pro Tag, um das alles zu konsumieren. Immer mehr der auf uns einstürzenden Nachrichtenflut wird fragwürdig und liefert Halbwahrheiten. Die regionale Nähe hingegen ist das, was mich als Mensch besonders interessiert. Regionale Nachrichten betreffen mich direkt und sie sind glaubwürdig, weil gut überprüfbar und direkt erlebbar. Was Donald Trump, Xi Jinping, die EU oder die Bundesregierung machen, das erfährt die Leserschaft ohnehin überall. Was daheim passiert, das kann nur ein regionales Medium aufbereiten. Die Leserin, der Leser spürt die Nähe einer Regionalzeitung und schätzt ihre Verbindlichkeit. Man kennt die Journalisten ja oft sogar persönlich.

Was halten Sie vom „Ybbstaler“?
Ich habe mir Ihre Zeitung gut angesehen. Ich glaube, der „Ybbs­taler“ entwickelt sich richtig und ist auf einem guten Weg, um langfristig bestehen zu können, weil er echt, unabhängig, verwurzelt und authentisch ist. Man muss den Menschen und der Wirtschaft der Region aber klar sagen, dass ein Medium einer Region nur einmal verloren gehen kann, und dann nie wieder kommt! Das müssten die Menschen genauso verstehen, wie es die Wirtschaft schätzen müsste. Ein regionales Medium ist ein großer Wert für eine Region und ein nachhaltiges Asset.

Danke für Ihre Einschätzung!

Veranstaltungstipp

Am Dienstag, 11. November, 19.30 Uhr geht es im Vortrag „Soziale Medien – Chancen und Gefahren im persönlichen Alltag“ von Karl Lahmer im Schloss in St. Peter/Au um Chancen und Gefahren der sozialen Medien wie Facebook, Instagram, TikTok, Bluesky, Threads und X sowie der Messenger Dienste WhatsApp, Signal und Telegram.

Veröffentlicht am 10. November 2025

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