Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über die lebendige Kultur der Region und ihre ambitionierten Zukunftsprojekte

Die Region zeigt eindrucksvoll, wie lebendig und zukunftsorientiert Kulturarbeit abseits der Metropolen und Ballungszentren sein kann. Das Wochenende hatte es wieder einmal in sich: Am Freitag die Eröffnung von Thomas Biebers Klangraum Waidhofen mit der unvergleichlichen Gerti Drassl, der Gamben-Virtuosin Maddalena Del Gobbo und dem wunderbaren Ewald Donhoffer am Cembalo. Am Samstag „The Solomons“, veranstaltet von Anneliese Fuchsluger im stilvollen Schauraum-Ambiente der Firma Aigner in Steinmühl, Irish Folk in Konradsheim und „Starke Töne“ des Musikvereins in
St. Georgen/Reith sowie am Sonntag „Frühlingserklingen“ des Musikvereins Maria Neustift.
Formate wie der Klangraum Waidhofen und die Klangschmiede Ybbsitz sind längst keine bloßen Geheimtipps mehr, sondern echte Leuchttürme, die weit über die Region hinausstrahlen. Sie verbinden künstlerische Qualität mit einem feinen Gespür für Atmosphäre und schaffen Räume, in denen Musik nicht nur aufgeführt, sondern erlebt wird.
Bemerkenswert ist dabei vor allem die Vielfalt, die sich wie ein roter Faden durch das kulturelle Angebot zieht. Neben der Pflege der Volksmusik, die bei uns nicht museal, sondern lebendig und offen für neue Einflüsse verstanden wird, leisten auch die Musik- und Kunstschulen sowie zahlreiche Theaterprojekte einen unverzichtbaren Beitrag. Initiativen wie das Filmzuckerl zeigen zudem, dass die Filmkultur ihren festen Platz hat und ein interessiertes Publikum findet. Ausstellungen in der Stadtgalerie oder im Impulsquartier „Come in!“ bieten Inspirierendes für Freunde der bildenden Künste. Dieses Zusammenspiel unterschiedlicher Sparten sorgt dafür, dass Kultur nicht isoliert stattfindet, sondern als dynamisches Netzwerk wächst.
Bereits Etabliertes und eine entsprechende Offenheit scheinen der Nährboden für neue Ideen zu sein. So ist es wohl kein Zufall, dass laufend innovative Projekte entstehen, die Tradition und Gegenwart miteinander verweben. Ein besonders spannender Ausblick richtet sich auf das Jahr 2027, wenn das Volksmusikprojekt „Hollatza“ Waidhofen grenzübergreifend in den Mittelpunkt des Genres rücken wird. Der Anspruch, die Stadt zum pulsierenden Nabel der „echten“ Volksmusik zu machen, ist selbstbewusst, aber keineswegs überzogen. Denn die Voraussetzungen sind bereits jetzt gegeben: engagierte Akteurinnen und Akteure, ein interessiertes Publikum und eine gewachsene kulturelle Infrastruktur.
Dass die Vorbereitungen dafür nicht erst kurzfristig beginnen, sondern am Wochenende bereits in Form von Strategie-Workshops angelaufen sind, zeigt den professionellen Zugang hinter den Kulissen. Hier wird nicht improvisiert, sondern bewusst gestaltet. Genau darin liegt eine der großen Stärken der Region: die Verbindung von Leidenschaft und Planung, von Kreativität und Struktur. Wenn dieser Weg konsequent weitergegangen wird, könnte „Hollatza“ weit mehr sein als ein einzelnes Projekt. Es hat das Potenzial, ein neues Kapitel in der regionalen Kulturgeschichte aufzuschlagen, eines, das zeigt, wie kraftvoll und zeitgemäß Volksmusik heute sein kann. Und damit wird es sich gut in den Fächer des bereits bestehenden Kulturangebots einfügen.

