Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über das klare Bekenntnis der Schweiz zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Das war doch überraschend! Die Schweizerinnen und Schweizer haben in einer Volksbefragung eine drastische Reduktion der Fernsehgebühren von 335 Franken (369 Euro) auf 200 Franken (220 Euro) pro Haushalt und Jahr mit einer deutlichen Mehrheit von 61,9 Prozent abgelehnt. Die sogenannte „Halbierungsinitiative“, die diese Herabsetzung erreichen wollte, kam beim Wahlvolk nicht durch. Das hat mir kürzlich im letzten Zug der Rudolfsbahn, der um 00.10 Uhr in Amstetten nach Waidhofen abfährt, ein aus Wien heimfahrender Ybbsitzer Unternehmer erörtert.
Die Entscheidung der Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, die Rundfunkgebühren für die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR) hochzuhalten, ist ein politisches Signal und ein gesellschaftliches Bekenntnis zum Wert eines starken öffentlich-rechtlichen Mediensystems. In Zeiten wachsender Polarisierung, zunehmender Desinformation und eines sich rasant verändernden Medienmarkts steht öffentlich-rechtlicher Rundfunk europaweit unter Druck. Private Plattformen dominieren die Aufmerksamkeit, Algorithmen verstärken Extreme und der wirtschaftliche Druck auf Qualitätsjournalismus steigt. Vor diesem Hintergrund wirkt das Schweizer Votum wie ein Gegenentwurf zum internationalen Trend: Statt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schwächen, stärken ihn die Bürger bewusst. Die Bereitschaft, höhere Gebühren zu akzeptieren, zeigt vor allem Vertrauen in die Institution. Für viele gilt die SRG SSR als Garant für verlässliche Information, kulturelle Vielfalt und regionale Ausgewogenheit. Gerade in einem Land mit vier Sprachregionen erfüllt der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine integrative Funktion, die private Medien kaum leisten können. Programme in Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch fördern kulturelle Kohäsion und sichern mediale Präsenz.
Das Abstimmungsergebnis ist eine Absage an ein rein marktbasiertes Mediensystem. Qualitätsjournalismus lässt sich nicht immer rentabel produzieren, besonders nicht in kleinen Märkten. Wenn Information ausschließlich nach wirtschaftlichen Kriterien organisiert wird, geraten Recherche, regionale Berichterstattung und Kulturprogramme schnell ins Hintertreffen. Kritik am öffentlich-rechtlichen System bleibt dennoch legitim. Fragen nach Effizienz, Programmauftrag und politischer Ausgewogenheit müssen weiterhin gestellt werden. Gerade weil die Finanzierung verpflichtend ist, sind Transparenz und Rechenschaftspflicht entscheidend. Die Abstimmung zeigt jedoch, dass demokratische Gesellschaften bewusst entscheiden können, welchen Wert sie unabhängiger Information beimessen. Information wird als öffentliches Gut verstanden, ähnlich wie Bildung oder Infrastruktur. Grundlage dieses Entscheids ist das Vertrauen der Schweizerinnen und Schweizer in ihre öffentlich-rechtlichen Sender. An diesem Vertrauen sollte auch der ORF arbeiten! Dann wäre vielleicht auch Österreichs Bevölkerung bereit, einen höheren Beitrag zu leisten.
P. S.: Nein, ich erinnere Sie jetzt nicht daran, dass Sie für weniger als 12 Euro pro Monat Woche für Woche 28 Seiten verlässlicher Regionalberichterstattung abonnieren können. Aber ich erinnere Sie daran, dass „Der Ybbstaler“ nur dann auf Dauer bestehen wird, wenn Sie ihn lesen, kaufen oder in ihm inserieren. Die Verantwortung liegt einerseits bei uns, aber auch bei Ihnen: Denn nur gemeinsam sind wir „Der Ybbstaler“. Nichts weniger haben wir mit dem großen Bruder SRG gemeinsam.

