Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über Musik und Kultur im Ybbstal

Wer am Pfingstmontag neun Musikkapellen stolz und gut vorbereitet in das Alpenstadion einmarschieren sah und am selben Pfingstmontag am Abend in dem bis auf den letzten Platz gefüllten Plenkersaal Philipp Hochmairs unglaubliche Performance „Jedermann Reloaded“ verfolgte, erkannte, was Kultur abseits der großen Städte wirklich bedeutet: Gemeinschaft, Identität, Qualität und Zukunft.
Veranstaltungen wie die Marschmusikbewertung und die Konzertwertung des Blasmusikverbands oder auch der Jugendwettbewerb „prima la musica“ der Musikschulen sind weit mehr als reine Leistungsbewerbe. Sie sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass kulturelles Leben im ländlichen Raum nicht nur erhalten bleibt, sondern aktiv gestaltet wird. In der Region sind Veranstaltungsformate wie Klangraum Waidhofen, Klangschmiede Ybbsitz, Kranzlsingen in Ertl, Volksbühne, Kammerorchester, Cantores Dei, Musikantenwallfahrten, künftig auch Volksmusikevents wie „Hollatza“ und viele andere mehr wahre Trägerraketen, die Kulturbegeisterung in alle Bevölkerungsschichten transportieren.
Und es macht sichtbar: Musikvereine und Musikschulen sind nicht bloß Freizeitangebote. Sie sind soziale Treffpunkte, Bildungsstätten und oft auch generationenübergreifende Brücken innerhalb der Gemeinden und über Gemeindegrenzen hinweg. In vielen Orten beginnt das gesellschaftliche Leben bei der Blasmusik: Kinder lernen früh Disziplin, Teamgeist und Verantwortung, Jugendliche finden Gemeinschaft und Erwachsene engagieren sich ehrenamtlich über Jahrzehnte hinweg. Musik verbindet dabei Menschen unterschiedlichster Herkunft und Altersgruppen. Das ist in einer zunehmend individualisierten Gesellschaft wichtiger denn je!
Wettbewerbe wie „prima la musica“ zeigen zudem eindrucksvoll, welches Potenzial in den Regionen steckt. Junge Talente aus dem Ybbstal beweisen regelmäßig, dass musikalische Spitzenleistungen nicht nur in Ballungszentren entstehen. Gleichzeitig motivieren solche Bühnen zu Fleiß, Ausdauer und persönlicher Entwicklung. Wer einmal erlebt hat, mit welchem Ernst und welcher Leidenschaft Kinder und Jugendliche auf einen Auftritt hinarbeiten, erkennt schnell den unschätzbaren pädagogischen Wert dieser Initiativen. Und davon profitieren wieder alle kulturschaffenden Initiativen. Oder ist es etwa Zufall, dass alle drei Waidhofner Jagdhorngruppen – Waidhofen, Windhag und St. Leonhard – bereits internationale Bewerbe gewinnen konnten? Sicher nicht!
Auch wirtschaftlich und touristisch sind kulturelle Veranstaltungen ein wichtiger Faktor. Gäste kommen in die Region, Ortszentren werden belebt. Vor allem aber entsteht etwas, das sich kaum in Zahlen oder in
Geld messen lässt: Stolz auf die eigene Heimat. Die Ybbstal-Gemeinden übernahmen dabei eine zentrale Rolle. Sie bieten Infrastruktur und Veranstaltungsorte und lösen kulturelle Strahlkraft aus, die weit über die Bezirksgrenzen hinaus wirkt. Dieses Zusammenspiel macht das kulturelle
Leben im Ybbstal so besonders. Gerade in Zeiten, in denen vielerorts über das Aussterben
des ländlichen Raums diskutiert wird, zeigen Musik und Kultur das Gegenteil: Dort, wo Menschen gemeinsam musizieren, proben, auftreten, feiern und Kultur genießen, lebt auch die Gemeinschaft. Und genau deshalb verdienen Veranstaltungen wie diese nicht nur Applaus, sondern auch nachhaltige Unterstützung.

