Veröffentlicht am 19. September 2025

Na endlich ist Emil da!

Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über Elch Emil im Ybbstal

Zugegeben, wir haben in den vergangenen Wochen neidisch auf die Niederösterreichischen Nachrichten geblickt. Denn der Elch Emil – Nationalität unbekannt – arbeitete sich verlässlich durch sieben (!) Lokalausgaben der Zeitung in den Bezirken Mistelbach, Korneuburg, Tulln, St. Pölten, Melk und Amstetten bis nach Scheibbs. Woche für Woche schaffte er es als knackiger Cover-Boy von einer Titelseite auf die nächste. Ein geschickter Medienstar! Auf Facebook hat er inzwischen 13.000 Follower! Als der Jungspund vergangene Woche in Ferschnitz beim eleganten Überspringen eine Straßenleitplanke abgelichtet wurde, sahen wir schon unsere Felle (nicht die Elchdecke!) davonschwimmen. Wir mutmaßten, dass er nach Abarbeiten des NÖN-Werbeauftrags der Donau entlang flussaufwärts zum nächsten Werbeauftritt Richtung Einrichtungshaus in Ansfelden weitertraben würde. Weit gefehlt! Er machte kehrt und schlug einen Bogen über Steinakirchen hinauf auf unseren Sonntagberg! Dort posierte er am Montag elegant zwischen Fotografin und Basilika (ein tolles Bild!), bevor er in der Nacht zum Dienstag in Böhlerwerk auf die Bundesstraße einbog.

Als Emil eine Woche davor in Ferschnitz gesichtet worden war, hatten wir noch überlegt, ob wir den „König der Hirsche“ nicht durch Anfüttern, sogenanntes „Ankirren“, ins Ybbstal und damit auf unsere Titelseite vom „Ybbstaler“ locken könnten. Die Schönheit des Sonntagbergs schaffte dies allein. Jedenfalls wusste man zuvor in St. Pölten nicht recht, wie vorzugehen war, als Emil dort im Bahnhof auf den Railjet wartete. Züge wurden mitten in der Nacht bis zu vier Stunden lang angehalten (!), um den rastenden Paarhufer ja nicht zu gefährden. Dabei hatte man in NÖ ja bereits Erfahrung im Umgang mit art- und standortfremdem Wild. Ich erinnere an die Episode von „Seppel“, dem Steinbock, der im April 2012 Hollenstein in Aufregung versetzt hat. Dieser war mutmaßlich einem illegalen Gehege entwichen und so zahm, dass Seppel sogar zum Pressetermin kam und in der Steilwand hinter den Lokalpolitikern im Vordergrund posierte. Heute würde man das Bild als KI-generiert desavouieren. War aber echt.

Gutgemeinte Ratschläge, dass man Emil betäuben und nach Schweden karren sollte, entbehren jeder rechtlichen Grundlage und Praktikabilität. Der Amtstierarzt meines Vertrauens erläuterte mir die Komplexität eines solchen Unterfangens. Wer dürfte überhaupt den Auftrag zur Betäubung geben? Der Jagdbeirat der Bezirkshauptmannschaft? Die Bezirkshauptfrau? Die Exekutive? Wer sollte dann die Betäubung durchführen? Eine Jägerin? Ein Tierarzt? Eine Tierpflegerin? Wer könnte für den grenzüberschreitenden Tiertransport den Transportauftrag erteilen? Welche Gesundheitschecks müssten vor dem Transport durchgeführt werden? Müsste man dem Elch vor dem Transport Impfungen verabreichen? Am einfachsten wird sein, wenn Emil, nachdem er auf seiner Brautschau kein paarungsbereites Elch-Schmaltier in der Region gefunden hat, so wie er gekommen ist, wieder nach Norden zieht, bei Nacht und Nebel illegal die Grenzen passiert, ohne Papiere und unfallfrei. „Emil, danke, unser Titelbild haben wir! Wir wünschen dir eine sichere Heimreise!“ Ein Rat zum Abschluss: Meide das Waldviertel und den Truppenübungsplatz Allensteig, denn neben Bären gelten auch Wolfsrudel als natürliche Feinde für Elche!

Veröffentlicht am 19. September 2025

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