Sonntagmorgen: Spontan einen Kuchen backen, doch Eier fehlen? Kein Problem: Das „Lenz“ – der innovative und sympathische Hybridmarkt in Gaflenz – bietet der Region flexibles Einkaufen.

Ein Nahversorger, der längst weit mehr ist als ein Geschäft
Im Gründungsjahr 2022 war das „Lenz“ Österreichs erster Hybridmarkt und schreibt seither Erfolgsgeschichte: Zu den regulären Öffnungszeiten wird das Geschäft mit Bedienung ganz klassisch an der Kassa und an der Frischtheke betrieben. Außerhalb dieser Zeiten können Kunden das Geschäft eigenständig mit einer Bankomatkarte oder einer App betreten, die Produkte selbst scannen und bargeldlos bezahlen. Das Angebot wird sehr gut angenommen. Das Konzept hat aber noch einen weiteren sozialen Aspekt: Wer selbst nicht mobil genug ist, muss nicht auf den Einkauf verzichten. Ehrenamtliche stellen Waren auf Wunsch auch zu. Geliefert wird jeden Dienstag gegen einen kleinen Betrag von einem bis drei Euro. Und offenbar hält sich auch die Sorge vor Diebstählen in Grenzen. Der befürchtete Diebstahl ist minimal – ein weiterer Beleg dafür, dass das Konzept in der Gemeinde funktioniert und von der Bevölkerung mitgetragen wird.
Wie alles begann
Wenn ein Nahversorger mit dem Umweltpreis der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) ausgezeichnet wird, heißt das schon etwas. Gelungen ist das dem Gaflenzer Hybridmarkt Das „Lenz“. Das Geschäft beziehungsweise die hinter der Geschäftsgründung stehende Initiative wurde in dessen Gründungsjahr 2022 mit dem ÖGUT-Umweltpreis in der Kategorie „Zivilgesellschaftliches Engagement“ ausgezeichnet. „Das hat uns einen guten Schub nach vorne verliehen“, sagt Ferdinand Rettensteiner, Obmann der Trägergesellschaft. „Seit der Gründung ist es immer wieder eine Challenge gewesen, bis wir alles unter einen Hut gebracht haben, wie z. B. das Stemmen von Personalkosten für sieben Mitarbeiterinnen im Geschäft und eine Betreuerin des Bistros“, so Rettensteiner. Auch das angrenzende Freibad wird vom „Lenz“ betreut, wobei die Eintrittserlöse freilich direkt in die Gemeindekasse fließen. Der Vorstand des Trägervereins arbeitet ehrenamtlich.

Vom drohenden Aus zum neuen Treffpunkt
Entstanden ist das „Lenz“ aus einer gemeinsamen Privatinitiative. Die Betreiberin des bis vor einigen Jahren bestehenden Nahversorgers hatte der Gemeinde mitgeteilt, dass sie bei ihrer Pensionierung ihr Geschäft schließen und auch nicht weitervermieten werde. Da schrillten in Gaflenz die Alarmglocken. Ein Ort ohne Nahversorger – das wollte man sich nicht vorstellen. Rasch war klar, dass eine Lösung nur über eine parteiunabhängige Initiative gelingen konnte. Gemeinsam mit einem Gemeindeberater aus Schlierbach wurde ein Fragebogen entwickelt, um zu erheben, was die Bevölkerung tatsächlich wollte. Der Rücklauf war mit 85 Prozent überwältigend. Die Wünsche waren klar: ein Geschäft mit Vollsortiment, ein Bistro und die Einbindung des Badebetriebs.
In der Folge wurde entschieden, das Kabinengebäude des Freibades abzureißen, an dieser Stelle ein Geschäft zu errichten und gleichzeitig Parkplätze zu schaffen. Das Konzept erwies sich als Volltreffer. Zusätzlich zum Lebensmittelgeschäft wurden ein Trafikbetrieb sowie Post- und Lotto/Toto-Angebote eingerichtet. Auch der Name war bald gefunden: „Lenz“ ergab sich aus der zweiten Silbe des Ortsnamens Gaflenz. Gleichzeitig knüpfte der Name an das Pfarr- und Musikheim „Abelenzium“ an, das 2011/2012 von Pfarre und Gemeinde Gaflenz mit Unterstützung des Landes OÖ und der Diözese Linz errichtet worden war.
Regionalität als Erfolgsrezept
Die Stärke des „Lenz“ liegt heute vor allem in seinen regionalen Anbietern, im Vollsortiment und in den attraktiven Arbeitszeiten für die Mitarbeiterinnen. Große Teile des Sortiments kommen aus der engeren Region: Erdbeeren, Erdäpfel und Gemüse ebenso wie Fleisch von der Bäuerlichen Schlachtgemeinschaft Oberes Ybbstal in Hohenlehen oder Biokalb von einem regionalen Anbieter. „Es ist für uns wesentlich, dass wir auf beste Qualität achten und preislich nicht ausufern“, betont Rettensteiner.
Damit ist das „Lenz“ nicht nur Nahversorger, sondern auch Plattform für regionale Produzenten. Private Lieferantinnen und Lieferanten finden hier ebenso ihren Platz wie etablierte Anbieter. „Für den Standort war wichtig, dass direkt vor dem Geschäft die Parkplätze entlang der Bundesstraße vorhanden sind“, erklärt Rettensteiner. Die gute Erreichbarkeit ist ein weiterer Pluspunkt des Marktes.

Ein Bistro für alle Fälle
Eine eigene Erfolgsgeschichte ist das Bistro. Es kommt gut an und kann auch für Veranstaltungen und Treffen gemietet werden – etwa für Mütterrunden am Abend oder für Fraktionssitzungen. Überhaupt hat sich das „Lenz“ längst zu einem sozialen Mittelpunkt entwickelt. Das vom „Lenz“ organisierte Badfest im Juli ist inzwischen zu einem gesellschaftlichen Fixpunkt geworden und bringt die Menschen zusammen.
Gemeinsames Projekt über Parteigrenzen hinweg
Dass ein derartiges Projekt nur funktioniert, wenn viele an einem Strang ziehen, zeigt sich auch in der Zusammenarbeit zwischen Trägerverein und Gemeinde. Rettensteiner arbeitet in Fragen des „Lenz“ im Gemeinderat mit Bürgermeister Andreas Kaltenbrunner eng zusammen, obwohl beide unterschiedlichen Fraktionen vorsitzen. Man ist sich einig: „Für die Gemeinde ist das ,Lenz‘ ein immenser Mehrwert“, sagt der Bürgermeister.
Ein Berater habe der Gemeinde einst die Augen dafür geöffnet, welche Ressourcen und Möglichkeiten im Ort vorhanden sind: „Der Berater hat uns aufmerksam gemacht, was wir in der Gemeinde alles haben, was wir aber gar nicht zu schätzen wussten.“ Finanziert wurde die Errichtung auf mehreren Beinen. 220.000 Euro kamen aus dem Leader-Programm der Europäischen Union, weitere 30.000 Euro steuerte das Land OÖ als Förderung für das Bistro bei. Der verbleibende Betrag wurde über Genossenschaftsanteile zu jeweils 250 Euro finanziert. Rund 1.000 Anteile wurden von Unterstützern gekauft. Für die Gemeinde ist das „Lenz“ damit längst zu einem Glücksfall geworden. Das Projekt hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, Nachahmer gefunden und zeigt, dass Nahversorgung am Land auch unter schwierigen Rahmenbedingungen funktionieren kann.

Mehr als ein Geschäft
Heute ist das „Lenz“ der einzige Nahversorger in Gaflenz mit einem breiten Sortiment. Entscheidend für den Erfolg ist dabei die Kombination aus Regionalität, persönlichem Service, moderner Technik und ehrenamtlichem Engagement. Und der Satz: „Alle lieben das Lenz“, ist keine leere Floskel, sondern in aller Munde.



















