Veröffentlicht am 21. November 2025

Nur Mut!

Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über über den Mut, den es plötzlich überall braucht – und manchmal auch gibt.

Noch selten ist mir das Wort „Mut“ so oft begegnet wie in der abgelaufenen Woche. Und das in einer Zeit, in der man allgemein eher Mutlosigkeit, denn Mut ortet. Vielleicht gerade deshalb. Da war einmal am Mittwoch die Podiumsdiskussion im Linzer Ars Electronica Center, wo sich Vertreter der Wirtschaft auf Einladung eines großen Bankinstituts und der Zeitung „Die Presse“ unter dem Motto „Österreich macht mehr draus“ getroffen haben. Als Mitglied des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) hatte mich dazu eine Einladung erreicht. Dort sprach ein hochkarätig besetztes Podium mit Veronika Liebl (Direktorin Ars Electronica Linz), Chris Müller (CEO, cmb.industries), Marion Morales Albiñana-Rosner (Vorständin UniCredit Bank Austria) und Joachim Haindl-Grutsch (Industriellenvereinigung OÖ) unter der brillanten Moderation von Michael Köttritsch („Die Presse“) über Potenziale, Engpässe und zentrale Zukunftsfragen für Österreich. Vier Fragen bildeten den Ausgangspunkt für die Diskussion: Welche Energie prägt uns derzeit? Wo stehen wir uns selbst im Weg? Wo unterschätzen wir uns? Und: Was gibt uns Mut für die Zukunft?

Tags darauf besuchte ich in beruflichem Kontext Ex-Unterrichtsminister Heinz Fassmann, Präsident der Akademie der Wissenschaften, in seinem Büro am Ignaz-Seipel-Platz in der Wiener Innenstadt, um mit ihm Bildungsfragen zu besprechen. Seine Quintessenz: „Bildung braucht in Zukunft mehr Mut!“ Wieder einen Tag später hörte ich bei der Buchmesse Wien, wie Anton Zeilinger am Podium meinte, dass die Entscheidung, sich als Wissenschaftler mit Quantenphysik zu beschäftigen, viel Mut erfordere. Sein Mut hat sich jedenfalls gelohnt: Er hat für seine wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Teleportation 2022 den Nobelpreis für Physik bekommen.

Zurück ins Ybbstal: Am Montagvormittag wurde Monika Fuchsluger als erste Frau in der Geschichte der Waidhofner Bauernkammer zu deren Obfrau gewählt (Gratulation!). Auch da gehört eine große Portion Mut dazu, um in die großen Fußstapfen von Mario Wührer zu treten! Der gleiche Mut wurde am Montagnachmittag beim Jubiläumsfest des RIZ UP Gründerzentrums, das vor 25 Jahren erstmals in der Waidhofner Kapuzinergasse eingerichtet worden war, von Landeshauptfrau Mikl-Leitner und Bürgermeister Krammer beschworen, der zum Sprung in die Selbstständigkeit erforderlich ist. Und die Kultur? Schon am Freitag war mir auf der Zunge gelegen, dass die Wahl des Volksbühne-Herbststücks recht „mutig“ ist.

Doch was ist „Mut“ überhaupt? Google meint: Mut sei die Fähigkeit, in einer gefährlichen, riskanten Situation seine Angst zu überwinden oder die Bereitschaft, angesichts zu erwartender Nachteile etwas zu tun, was man für richtig hält. Mein Duden-Herkunftswörterbuch verrät mir auf Seite 546, dass sich das Wort Mut etymologisch von „heftig verlangen“ und wohl auch von „sich abmühen“ herleitet. Mit dem ähnlich klingenden Wort „gemütlich“ hat das Wort sinngebend wenig zu tun. Mit Zurücklehnen oder „Work-Life-Balance“ wohl auch nicht. Wie auch immer. Der neuen Kammerobfrau wünsche ich in schwierigen Zeiten: Nur Mut! Und das nötige Quäntchen Glück, das es auch braucht!

Veröffentlicht am 21. November 2025

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