Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über die Bedeutung des Wintersports in Österreich

Eigentlich hätte ich mich auf die Welle der Fußball-Euphorie setzen und von der Teilnahme und Auslosung der österreichischen Herrenfußball-Nationalmannschaft bei der kommenden Weltmeisterschaft schwärmen können. Die Tatsache, dass der mehrmals zu Österreichs Fußballer des Jahres gewählte Torjäger Ivica Vastić vor 27 Jahren als Teilnehmer an der Fußball-WM 1998 in Frankreich Fußball-Geschichte geschrieben hat und später eng mit dem Fußball der Region verbunden war, wäre ein guter Einstieg gewesen. Auch wenn wir eine Fußballer- und immer mehr auch Fußballerinnen-Nation sind – ich erinnere an das spannende Interview in der Vorwoche, das Karin Novak mit der Bundesligaspielerin Denise Lueger aus St. Leonhard geführt hat – so ist Österreichs Rolle im Wintersport doch nach wie vor jene, für die wir – sportlich gesehen und zusätzlich zum Image als Kulturnation – international am stärksten wahrgenommen werden. Das ist seit Beginn des alpinen Skilaufs so. Die von Ski-Pionier Mathias Zdarsky in den 1890er-Jahren entwickelte „Lilienfelder Skifahr-Technik“ war die erste Technik mit Stemmbogen und „Schlangenschwung“, weshalb Zdarsky auch als Begründer des alpinen Skilaufs gilt.
Auch vermag wenig das Herz der Österreicherinnen und Österreicher so sehr zu bewegen wie der weiße Sport. Ich erinnere an den dreifachen Weltmeister und Doppel-Gesamtweltcupsieger Karl Schranz, der die Gefühle der Menschen bewegt hat wie kaum ein anderer. Erst am Samstagnachmittag hatte ich die Gelegenheit, bei einem Besuch im Bundeskanzleramt am Wiener Ballhausplatz durch jenes Fenster zu blicken, von dem aus Österreichs Ski-Idol Karl Schranz einer Menge von 100.000 Begeisterten zugewunken hat, nachdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der damalige Präsident Avery Brundage mit dem Ausschluss des Goldmedaillen-Favoriten von den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo die österreichische Seele zutiefst beleidigt hatten. Bundeskanzler Bruno Kreisky hatte diese
von breiten Teilen der Bevölkerung gefühlte Erniedrigung geschickt für sich instrumentalisiert. Oder denken wir an unseren Waidhofner Anton „Jimmy“ Steiner, der bei den Olympischen Winterspielen 1984 in Sarajevo mit der Bronzemedaille in
der Abfahrt als einzigem Edelmetall für Österreich unsere Ehre als Skination gerettet
hat.
Tatsache ist: Wir sind eine Wintersport-Nation. Damit dies so bleibt, bedarf es nicht nur der gut funktionierenden und devisenbringenden Wintersportindustrie in den hochalpinen Lagen, die nach wie vor unsere Handelsbilanz austariert. Damit die breite Bevölkerung die „Brettln, die die Welt bedeuten“ (Verzeihen Sie mir bitte die Verballhornung!) beherrscht, bedarf es einer Breitenausbildung im Skisport. Diese beginnt nun einmal in der Familie. Und gerade dafür sind unsere kleinen, aber feinen Wintersportgebiete – Forsteralm, Königsberg und Prolling – von so großer Bedeutung.
Es fließt viel ehrenamtliches Engagement und das Herzblut aus den Vereinen ein, aber auch viel unternehmerischer Mut der Betreiber und das Können der Skilehrerschaft. Damit das auch so bleibt, sollten wir unsere Familienskigebiete seitens der Politik unterstützen und unsererseits auch besuchen.

