Veröffentlicht am 21. November 2025

Perfekte Geheimnisse, die keine bleiben

Premiere des Herbststücks der Volksbühne vor ausverkauftem Haus. Ein Stück zum Lachen und Nachdenken!

Stürmischer Applaus für das Ensemble Manuela Walcher, Max Bernreitner, Nicole Kronsteiner, Christoph Marcik, Christoph Hagen, Astrid Tanzer und Michael Elsner (v. l.). © Leo L.

So schwer hat es die Waidhofner Volksbühne seinem Publikum noch nie gemacht, und gleichzeitig so gehaltvoll. Denn mit ihrer Premiere von „Das perfekte Geheimnis“ am 14. November servierte die Theatergruppe eine pointiert inszenierte Mischung aus Boulevardkomödie und Gesellschaftsspiegel. Man traf dabei erstaunlich treffsicher den Nerv des Publikums.

Großartige Inszenierung

Regisseurin Uschi Nocchieri und ihre Co-Regisseurinnen Michaela Gruber und Martina Schuster-Krall setzten dabei weniger auf lauten Klamauk als auf präzise Situationskomik bei gleichzeitig stets spürbarer Tiefe. Das Wohnzimmer-Setting – liebevoll detailliert und mit subtilen Akzenten gestaltet von Hanno Frangenberg und Daniel Aspalter – wird zum Labor für menschliche Schwächen und gesellschaftliche Ränkespiele. Hier entfaltet sich die beklemmend-unterhaltsame Dynamik des Handy-Lebens, das
aus einem harmlosen Abendessen ein Minenfeld aus Eitelkeiten, Sehnsüchten, Lügen und Verrat macht. Die drei Schauspielerinnen und vier Schauspieler leisteten Großes! Denn so hoch hatte man sich den Anspruch an Zweischneidigkeit und Gleichgewicht zwischen Ernst und Spaß noch nie gestellt.

Starke schauspielerische Leistungen

Das Ensemble überzeugt mit durchgehend starken Leistungen. Christoph Marcik, Manuela Walcher, Michael Elsner, Nicole Kronsteiner, Christoph Hagen, Astrid Tanzer und Max Bernreitner begeben sich für das
Publikum in ein gnadenloses „Bühnen-Aquarium“, das kein Entkommen zulässt. Ob gönnerhaftes Selbstbewusstsein, nervöse Unsicherheit, burlesk gespielte Oberflächlichkeit oder tragikomischer Rollentausch: Im Skript führen Zufallsanrufe Regie, die gnadenlos die Fassaden bröckeln lassen. Das muss man im Theater erst einmal umsetzen! Die sieben Mimen leisten das mit großer Professionalität.

Zwischen Lachen und Nachdenken

Die Inszenierung lebt von klug gesetzten Pausen und feinem Rhythmus. Wenn die Figuren im Minutentakt neue Abgründe offenbaren, entsteht ein Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Nocchieri vermeidet die Versuchung, die moralische Botschaft mit dem Holzhammer zu liefern. Stattdessen lassen die Personen die Enthüllungen wirken. Man vertraut auf das Publikum, das sehr genau hört, was zwischen den Zeilen gesagt und gefühlt wird. Insgesamt präsentiert die Volksbühne eine klug komponierte und hervorragend gespielte Produktion und beweist einmal mehr, dass gutes Amateurtheater längst nicht mehr hinter professionellen Bühnen zurückstehen muss. Ein Abend, der zum Lachen verführt – und zum Nachdenken zwingt. Langanhaltender Applaus. Eine Empfehlung!

Veröffentlicht am 21. November 2025

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