Veröffentlicht am 8. August 2025

Sehr geehrte Frau Landesrätin Prischl!

Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über die Auswirkungen des Gesundheitspakts 2040+

Erstmals habe ich mich dazu durchgerungen, mich in einem Leitartikel des „Ybbstalers“ direkt an eine Entscheidungsträgerin unseres Landes zu wenden. Sonst versuche ich in diesem Format eher, eine möglichst feine, aber kritische Klinge zu Themen des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Geschehens zu führen. Der Grund ist ein sehr schwerwiegender: Die Menschen in der Region Ybbstal machen sich aktuell ernsthaft Sorgen! Das liegt daran, dass nun nach und nach die Auswirkungen des Gesundheitspakts 2040+, der vor einiger Zeit strahlend präsentiert wurde, sichtbar werden.

Für das Ybbs­tal bedeutet der Plan, dass nach Auflassung der Geburtenstation am Landesklinikum Waidhofen à la longue auch die über Jahrzehnte mit großem Engagement der Ärzte- und Mitarbeiterschaft aufgebauten Stationen Herzkatheterambulanz und Urologie vom Standort Waidhofen abgezogen und nach Amstetten verlegt werden. Es bedeutet vor allem aber auch, dass der Notarztstandort in Waidhofen mit 2027 aufgelassen werden soll. Das hätte für die Akutversorgung der Region wirklich schwerwiegende Folgen. Ich weiß, dass Ihnen ein Menschenleben in Göstling, Hollenstein oder Weyer genauso wichtig ist wie das einer St. Pöltnerin oder eines Wiener Neustädters. Gerade deshalb sollte noch einmal unter Einbeziehung der Gesundheitsfachleute der Region beurteilt werden, ob Anfahrtszeiten des Notarztes von Amstetten zur Patientin in Hollenstein mit 45 Minuten Anfahrt und ebenso langer Rückfahrt zum Operationstisch nicht allzu riskant sind. Es liegt mir fern, die Expertise der für den Gesundheitspakt verantwortlichen 50 Fachleute infrage zu stellen, ganz im Gegenteil, die Liste liest sich als das „Who is Who“ der Gesundheitsverantwortlichen des Landes.

Ich weiß auch, wie schwierig es für die Landesregierung ist, den Anschein aufkommen zu lassen, dass für das Ybbstal das Gesamtpaket des Gesundheitsplans einseitig wieder aufgeschnürt würde. Dem wäre aber nicht so, weil plausibel zu erklären ist, dass Versorgungsargumente der inneren Talschaften und der angrenzenden Regionen Oberöster­reichs und der Steiermark natürlich in einer isolierten Betrachtung des Bundeslandes NÖ logischerweise erst nachträglich planungsrelevant werden können. Die nächstgelegenen Notarztstandorte wären nach Auflassung von Waidhofen für manche Gemeinden erst Steyr und Rottenmann!

Daher wäre die Belassung des Notarztstandorts im Ybbstal in Hinblick auf die inneralpinen Lagen des Ybbstals und der angrenzenden Bundesländer nicht als Aufschnüren des Gesamtpakets zu sehen, sondern als notwendige Sicherstellung der Versorgung zu beurteilen. Weitere Argumente: Waidhofen wäre das einzige Klinikum landesweit, das über keinen Notarztstandort verfügen würde. Der Notarztstandort Waidhofen gehört zu jenen wenigen, der seit 2016 stets sieben Tage und 24 Stunden bei einer verfügbaren Mannschaft von 20 Notärztinnen und Notärzten besetzt war. Das war nicht an allen Standorten so. Hier droht, eine funktionierende Struktur zerschlagen zu werden! Es wäre eine Geste der gelebten Verantwortung, wenn Sie die Notwendigkeit der Auflassung des Notarztstandortes im Dialog mit der Ärzteschaft der Region noch einmal prüfen lassen würden. Es würde bedeuten, die Menschen der Region in ihren Sorgen wahrzunehmen.

Mit bes­ten Grüßen! Leo Lugmayr

Veröffentlicht am 8. August 2025

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