Die drei Gemeindebauten in der Jahn-Gasse wechseln um knapp 1,2 Millionen Euro den Besitzer und sollen in der Folge saniert werden

In seiner jüngsten Sitzung beschloss der Waidhofner Gemeinderat den Verkauf der gemeindeeigenen Gebäude (Friedrich-Ludwig-Jahn-Gasse 2, 3, 4), in denen 36 Gemeindewohnungen untergebracht sind. Um den Preis von 1.178.000 Euro gehen die Gemeindehäuser an die am 24. Februar dieses Jahres mit 10.000 Euro Stammkapital eingetragene Jahn-Gasse Living GmbH, die als Geschäftszweig die „Entwicklung von Immobilienprojekten, insbesondere der Jahn-Gasse 2 bis 4“ anführt. Als Geschäftsführer firmieren der Waidhofner Baumeister Christian Hirtenlehner und der Kematner Unternehmer Sebastian Alberer.
Maßnahme zur Budgetsanierung
„Wir haben uns im Zuge des Budgetsanierungskurses vorgenommen, notwendige Investitionen im Bereich Bildung, Infrastruktur und Sicherheit durch strategischen Vermögenstausch zu finanzieren“, begründete ÖVP-Stadtrat Heinz Dötzl den Antrag zum Verkauf der Liegenschaften. Tatsächlich sind im Budget 2026 Erlöse aus Immobilienverkäufen in der Höhe von 2,9 Millionen Euro bereits vorgesehen.
Für den Verkauf war offen geworben worden, die Jahn-Gasse Living GmbH bekommt nun den Zuschlag für die Gebäude und die darin befindlichen 36 Wohneinheiten. Wobei 23 davon vermietet sind. Es handelt sich um Wohnungen zwischen 38 und 56 Quadratmetern Größe.
Erheblicher Sanierungsbedarf
Alle drei Gebäude sind in einem erheblichen Sanierungszustand, die Investitionskosten für diese Sanierung werden von einem Schätzgutachten mit 450.000 Euro pro Gebäude beziffert. „Da die Stadt in der derzeitigen Budgetlage eine solche Investition nicht tragen kann, wurde in den vergangenen Monaten der Verkauf geprüft“, so Dötzl. Laut Schätzgutachten liegt der Verkehrswert der Gebäude bei 1.144.000 Euro. Der Verkaufspreis liegt damit um etwa drei Prozent über dem Schätzgutachten. Alle bestehenden Mietverträge bleiben aufrecht. Die neuen Besitzer wollen die Gebäude Schritt für Schritt sanieren, die Außenhaut wird vorerst nicht angetastet. Eine Übergabe der Liegenschaften soll mit 1. April erfolgen.
Kritik zweier Gemeinderäte
Kritik am Verkauf äußerte der fraktionslose Gemeinderat Erich Leonhartsberger, ehemals SPÖ. Er merkte an, dass die Gebäude 70 Jahre im Besitz der Stadt gewesen seien, ohne sie in dieser Zeit entsprechend instand gehalten zu haben. Auch kritisierte er den Wegfall an Wohnraum, der im Fall sozialer Härten von der Stadt vergeben werden könnte. „Wie wird das zukünftig funktionieren, wenn die Stadt diese Wohnungen nicht mehr zu vergeben hat, um sozial schwierige Fälle von der Straße wegzubringen?“, richtete er seine Frage an Bürgermeister Werner Krammer (ÖVP) und Vizebürgermeister Armin Bahr (SPÖ). Darauf Bahr: „Wir haben auch zukünftig Notfallwohnungen in Waidhofen, in denen Menschen in sehr engmaschiger Form betreut werden können.“ Krammer führte dazu an: „Aufgabe der Gemeinde ist es, mit ihrem Vermögen klug umzugehen, manchmal schwierige, unangenehme Entscheidungen zu treffen, aber damit etwas Positives zu bewirken.“ FPÖ-Mandatar Josef Gschwandegger schloss sich Leonhartsbergers Kritik an und bezeichnete angesichts der Gesamtschulden der Stadt den Erlös als „Tropfen auf den heißen Stein“. Er stimmte als einziger Mandatar gegen den Verkauf, während Leonhartsberger dem Antrag schließlich doch seine Zustimmung gab.
Langfristige Perspektive
Die Käufer haben laut Krammer langfristige Pläne mit den Immobilien: Die Wohnungen eignen sich gut für Menschen, die im Gesundheitsbereich arbeiten oder für HTL-Schüler; beides Gruppen, für die Kleinwohnungen in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus, zum Pflegeheim und zum Buchenbergheim oder aber zur HTL durchaus Sinn machen. Krammer fordert als nächsten Schritt der Budgetsanierung, dass sich die Rathausfraktionen demnächst wieder wie im Vorjahr zusammensetzen müssten, um nachzudenken, wie man den laufendenden Betrieb, den vormaligen ordentlichen Haushalt, entlasten kann. „Damit wir dann wieder investieren können“, so Krammer.

