Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über Vandalismus in öffentlichen Räumen

Dabei hatten wir geglaubt, in dieser Hinsicht eine Insel der Seligen zu sein. Denn wenn die Rede auf Vandalismus in öffentlichen Räumen und Schulen kommt, dann zucken wir im Ybbstal gerne die Schultern und tun dies ab mit: Ja, in den Städten, ja, in Wien! Doch jetzt: Eine Waidhofner Schule – das Schulzentrum Plenkerstraße – sieht sich genötigt, mit Videoüberwachung einer Reihe von Vandalenakten Herr zu werden. Das war kürzlich in einem Brief an die Eltern das Thema, den der Bürgermeister persönlich an sie gerichtet hat. Er schreibt: „Wir ersuchen Sie daher eindringlich, mit Ihren Kindern über dieses Thema (Anm.: Vandalismus) zu sprechen und ihnen die Bedeutung von Respekt gegenüber fremdem Eigentum, gemeinsamen Räumen und der Arbeit anderer Menschen bewusst zu machen. Schule ist nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung, sondern auch ein zentraler Lernraum für soziale Verantwortung und Werte. Trotz wiederholter Gespräche und präventiver Maßnahmen werden wir nun zusätzliche Schritte zum Schutz des Schulzentrums setzen. Aus diesem Grund wird eine Videoüberwachung der Eingangsbereiche eingerichtet. Diese Maßnahme dient der Abschreckung weiterer Beschädigungen sowie der Aufklärung im Schadensfall“, so der Bürgermeister wörtlich.
Dass die Stadt, die gerade jetzt überall den Sparstift ansetzen muss, natürlich keine Freude hat, wenn sich nach Vandalenakten völlig unnötige Reparaturen finanziell zu Buche schlagen, versteht man. Aber sollte das nicht völlig unabhängig von Budgets und öffentlichen Mitteln eine Selbstverständlichkeit sein, dass man auf öffentliche Einrichtungen achtet, sie schont und bewahrt, als wären sie unser Eigentum? Was sie ja auch sind!
Jetzt greift also die Stadt zur Überwachung, was durchaus begreiflich ist. Das könnte aber den Eindruck erwecken, dass Unrecht erst dann entsteht, wenn deren Verursacher (filmisch) erwischt werden. Die erste Kamera ist der erste Schritt. Es werden weitere folgen. In London, so schrieb unlängst eine Tageszeitung, wird ein Mensch, der öffentlich von einem Stadtrand diagonal zum anderen fährt, im Schnitt von 4.000 Überwachungskameras erfasst. Ein Paradies für KI-unterstützte Fahndung! Schöne neue Welt!
Ich gebe zu, dass ich in Wien bei Fahrten mit der U-Bahnlinie U6 gelegentlich recht froh bin, wenn ich mich im Sichtbereich einer Kamera bewege oder zu stehen komme. Aber in der Waidhofner Plenkerstraße? Wären hier nicht Passantinnen und Passanten, die Lehrerinnen und Lehrer und zuallererst die
Eltern – also wir alle! – in die Pflicht zu nehmen, bei den Kindern und Jugendlichen aktiv zu werden? Ja, ich weiß: Gleichgültigkeit ist der Beginn jeden Verfalls. Und Zivilcourage ist völlig aus der Mode gekommen. Vorbild auch.
Der Brief des Bürgermeisters ist wohl auch richtig adressiert, nämlich an die Eltern, nicht an die Kinder. Erziehung ist die eine, Eigenverantwortung die andere Seite derselben Medaille. Ich weiß, Ihr Kind macht das ja ohnehin nicht. Das denken sich wohl alle. Und dann werden wir eben auch alle – früher oder später – videoüberwacht. Auch in Waidhofen und im Ybbstal. Bitte immer schön lächeln!

