Veröffentlicht am 8. August 2026

Vom Kriminologen zum Pilzzüchter

Bernhard Klob und sein Weg auf den Bauernhof „Groß Kaiserreith“ in St. Leonhard/Wald

Ein Mann mit Unternehmergeist: Bernhard Klob © Theo Kust

Erst vor Kurzem wurde Bernhard Klob vom Kulinarikmagazin „Kalk & Kegel“ und den Sterneköchen des Landes unter die 102 besten Lebensmittelproduzenten Österreichs gewählt. Der gebürtige Wiener weiß zwar, dass er das, was er macht, gut macht, aber mit diesem schnellen Erfolg hat er wohl selbst nicht gerechnet. Schließlich ging der 51-Jährige erst 2023 mit seinen „Kaiserschwammerln“ in sein ers­tes volles Betriebsjahr.  

Vom akademischen Schreibtischtäter zum bodenständigen Landwirt

Der Wunsch nach Naturverbundenheit und unverkrampften, freien Lebensräumen liegt in seiner frühesten Kindheit begründet. Die Arbeit seines Vaters als Geologe und Mineraloge führte die Familie nach Afrika, wo Klob seine ersten beiden Lebensjahre verbrachte. „Von Schilderungen meiner Mutter weiß ich, dass ich Tierstimmen nachmachen konnte, noch bevor ich sprechen gelernt habe. Die Rückkehr in die Zivilisation war für mich ein regelrechter Schock“, erzählt der „Beinahe-Mogli“ Ybbstaler-Redakteurin Karin Novak beim Hofbesuch. Diese frühe Prägung hinterließ jedenfalls Spuren, auch wenn der zweifache Vater
beruflich zunächst eine wissenschaftliche Laufbahn einschlug. Über zehn Jahre arbeitete er nach seinem Diplomstudium der
Kriminalwissenschaften am Institut für Strafrecht und Kriminologie. Er bildete Polizeiführungskräfte aus, erstellte Studien, wertete Kriminalstatistiken aus. Zum Ausgleich wurde er Imker und hielt bis zu 25 Bienenvölker. Landwirte rund um Bruck an
der Leitha stellten ihm dafür Flächen zur Verfügung. Nebstbei widmete sich der Vielseitige im Garten der Wachtelhaltung. Als ihm schließlich ein Fachbuch über die Kultivierung von
Speisepilzen in die Hände fiel, folgte ein Wendepunkt. Die Faszination war so groß, dass
Klob beschloss, seinen sicheren Job an der Universität aufzugeben und den Schritt in die volle berufliche Selbstständigkeit zu wagen. 

„Groß Kaiserreith“ wurde nach zwei Jahren Leerstand von Bernhard Klob aus dem Dornröschenschlaf geweckt. © Theo Kust

Zuzug ins Ybbstal

Im Januar 2018 stieß Klob schließlich auf der Online-Plattform Willhaben auf ein Inserat für einen Bauernhof in St. Leonhard. Das Anwesen stand nach einer Scheidung seit zwei Jahren leer. Obwohl das Objekt als herausfordernd und finanziell ambitioniert galt, besichtigte er mit seiner damaligen Lebensgefährtin den Hof. Und verliebte sich. Mit einem akribisch ausgearbeiteten, 40-seitigen Businessplan schaffte Klob das schier Unmögliche: „Ich habe eine Bankfinanzierung über 1,3 Millionen Euro bekommen – meine Begeisterung  und mein Businessplan haben die Bank überzeugt und sie hat mir dankenswerterweise den Kredit gewährt, wahrscheinlich relativ einmalig in Österreich. Aber das war einfach Fügung, es war einfach mein Hof.“ Den ehemaligen Kuhstall baute Klob in Eigenregie zu einer modernen Pilzzuchtanlage um. Dass aller Anfang schwer ist, musste er dabei am eigenen Leib erfahren – von maroden Stallfundamenten bis hin zu den Lieferengpässen in der Corona-Pandemie. 2023 lief dann der Betrieb schließlich voll an. Neben der Pilzzucht bewirtschaftet der Neo-Landwirt den Hof im Sinne einer ganzheitlichen Selbstversorgung: Weideschweine, Schafe, Wachteln und anderes Geflügel gehören zum Betrieb. Im Bedarfsfall schlachtet er eigenhändig und lebt auch hier seine Philosophie: „Ich habe schon Hühner oder Puten zurückgetragen, weil sie sich nicht beruhigt haben. Wenn ich nicht das Gefühl habe, dass das Tier bereit ist, lebt es eben noch weiter. Ich denke, wenn diese Wertschätzung da ist, dann ist die Schlachtung auch auf einer höheren Ebene für das Tier okay.“ 

Im Mittelpunkt: Shiitake und Austernpilz 

Im Mittelpunkt seiner Landwirtschaft steht aber seine Zucht der Shiitake und der Austernpilze, deren Qualität er durch Klima- und Feuchtigkeitssteuerung im Kulturraum perfektioniert. Seine Erkenntnisse zieht er dabei nicht nur aus Büchern, sondern aus fortlaufendem Learning by Doing. Um die Faszination für die Edelpilze zu verstehen, erklärt der Züchter aus Leidenschaft: „Der Shiitake ist ein wichtiger Vitalpilz in der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) und hat im Gegenzug zu anderen Heilpilzen den Vorteil, dass er ein hervorragender Gourmetpilz ist. Er schmeckt gut und ist in der Küche ein super Allrounder.“ Während aber industrielle Großbetriebe auf maximalen Ertrag und schnelle Durchlaufzeiten setzen, beschreitet Klob unterhalb des Sonntagbergs einen völlig anderen Weg. Er setzt auf kühles Klima und viel Zeit. Ab dem Be­impfen des Substratblocks vergehen rund 20 bis 21 Wochen, bis der Shiitake zur Frucht gebracht werden kann. Dafür lässt er dem Pilz viel Zeit, bis er geerntet wird. „Durch das langsame Wachstum behalten die Schwammerl ihre dichte Zellstruktur, bleiben beim Anbraten bissfest und bestechen mit intensivem Aroma“, so der ehemalige Kriminologe. Und genau diese Merkmale sind es, die seine Pilze für die Spitzenküche prädestinieren. 

Im ehemaligen Kuhstall errichtete Bernhard Klob eine moderne Pilzzuchtanlage. © Theo Kust

Einzug in die Haubengastronomie

Der kompromisslose Qualitätsanspruch sprach sich in der Gastronomie schnell herum – ganz ohne große Marketingstrategien. Klob packte zu Beginn einfach Frischemuster ein und fuhr zu ausgewählten Betrieben. „Einer meiner ersten Kunden hat die Pilze nur in die Hand genommen und gesagt: ‚Passt, bring mir drei Kilo!‘“ Heute beliefert der Quereinsteiger Abnehmer von Steyr über das Ennstal und Amstetten bis nach St. Pölten und bringt es dabei auf insgesamt stattliche zehn Hauben, darunter die beiden Vier-Hauben-Lokale von Klemens Gold aus Großraming und Theresia Palmetzhofer aus Neuhofen. 

Obwohl der Arbeitstag des Ein-Mann-Unternehmers lang ist und Klob seit der Hofübernahme keinen Urlaub mehr gemacht hat, vermisst er nichts. „Ich brauche keine Hobbys, ich habe ja die Pilze“, lacht er. „Und wohin soll ich auf Urlaub fahren, wenn ich hier im Paradies lebe?“ Für die Zukunft plant der Umtriebige allerdings schon die nächs­ten Schritte: Für einen Ab-Hof-Verkauf baut er aktuell einen Verkaufsraum aus, ab September unterstützt ihn ein Mitarbeiter und künftig möchte er den Shiitake auch als ganzheitliches Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt bringen und einen Webshop (www.kaiserschwammerl.at) einrichten. Sein Projekt im Ybbstal zeigt eindrucksvoll, was entsteht, wenn wissenschaftlicher Geist, unternehmerischer Mut und die Liebe zur Natur zusammenfinden.

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Veröffentlicht am 8. August 2026

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