Wie Waidhofen zum Namen „Nikolostadt“ kommt

Immer wieder findet sie sich um diese Zeit, die Bezeichnung „Nikolostadt Waidhofen“. Und manch einer mag sich fragen: Was, bitte, haben Waidhofen und der Heilige aus Myra denn gemeinsam, um diesen Namen zu verdienen? Blickt man in die Zeit zurück, betrachtet die eine oder andere Kirche und Statue oder vertieft man sich in so manches Dokument, erkennt man: Da gibt es so einiges!
Zwei Nikolaus-Kirchen in Waidhofen
Beginnen wir mit den Kirchen, denn von den 25 Gotteshäusern, die in Niederösterreich dem beliebten Heiligen geweiht sind, gibt es in der Gemeinde Waidhofen gleich zwei: Sowohl die Kirche in Windhag als auch jene in Konradsheim sind dem hl. Nikolaus geweiht. Gerade in Konradsheim ist der Heilige so beliebt, dass das Dorf im Volksmund liebevoll „Niglo“ genannt wird. Doch nicht nur in den Dörfern rund um die Stadt hat der Nikolaus seine Finger im Spiel, man kann ihn auch in zwei weiteren Kirchen direkt im Zentrum finden. In der Franziskanerkirche am Graben steht eine weiß-golden gefasste Statue des Heiligen mit Mitra, Stab und wallendem Bart am Altar. Aber auch am Flügelaltar der Stadtpfarrkirche rechts oben findet sich eine Abbildung des hl. Nikolaus aus der Zeit um 1500. Aus diesem Jahrhundert birgt Waidhofen noch ein weiteres besonderes Kleinod, das im 5e-Museum zu bestaunen ist: Es handelt sich um eine Holzstatue, die den Nikolaus allerdings ohne Bart darstellt – und jetzt gibt es diese Statue sogar doppelt. Bildhauer Christian Fahrenberger begutachtete diese im Vorjahr bei der Weihnachtsausstellung und auf Anfrage, ob er ebenfalls solch einen Nikolaus schnitzen könnte, sagte er: „Ja!“ Er beließ es nicht bei Worten, sondern setzte diese auch gleich in die Tat um – und jetzt, rechtzeitig zur Adventzeit, kann man den fertigen „Zwilling“ des Nikolaus bestaunen.

Wählen am Nikolaustag
Doch die Verbindung von Waidhofen und dem Nikolaus geht über die Statuen und Abbildungen hinaus und hat überdies mit der Stadtgeschichte selbst zu tun. Ab dem 15. Jahrhundert konnte die Bürgergemeinde Waidhofen nämlich ihre Richter und Räte wählen und das tat sie alljährlich am 6. Dezember, also am Nikolaustag. Weshalb wurde genau dieser Tag gewählt? Sowohl Walter Zambal, Peter Maier und auch Peter Fraundorfer, ehemaliger Archivar der Stadt, haben sich damit auseinandergesetzt und nehmen an, dass es sehr wahrscheinlich mit der Burgkapelle in Konradsheim zusammenhängt – was die Verbindung von Waidhofen und dem Nikolaus noch älter macht. Erstmals wurde die Burg Konradsheim 1185 schriftlich erwähnt, damals gab es wohl auch bereits die Burgkapelle, die dem hl. Nikolaus geweiht war. Dieser war im 12. Jahrhundert als Patron für Burgkapellen sehr beliebt, da er als Schutzheiliger der Kreuzfahrer und des Rechtes galt. Die Bedeutung dieser Kapelle und der Burg zieht sich noch weiter in die Jahrhunderte hinein: Die Burg in Konradsheim wurde nach einem Streit zwischen dem Habsburger Rudolf IV. und dem Bistum Freising, zu dem Waidhofen gehörte, im Jahr 1360 zerstört und dem Verfall preisgegeben – die ebenfalls dem hl. Nikolaus geweihte Pfarrkirche baut auf der alten Burgkapelle auf. Um diesen alten Sitz der Grafen nicht zu vergessen, wurde wohl der Nikolaustag als Wahltag festgesetzt.

Den Nikolaus in Waidhofen feiern
Man sieht also, es gibt jede Menge Gründe, um den Nikolaus gerade in Waidhofen ganz besonders zu feiern. Und das geht über den Nikolaus aus Schokolade, Semmerl- oder Briocheteig, wie er in den Bäckereien der Stadt angeboten wird, hinaus. So schaut der Nikolaus natürlich bei der Lichterweihnacht im Schloss Rothschild am Samstag, 6. Dezember, vorbei und einen außergewöhnlichen Auftritt hat der „Nikolo am Eis“ am 7. Dezember ab 14.00 Uhr in der Eishalle. Der Höhepunkt der Nikolausfeiern ist aber heuer, wie es Fred Eichleter in einem seiner unnachahmlichen Reime schreibt, an einem anderen Ort statt: „Lasst uns froh und lustig sein, Niklaus kommt nach
Konradsheim.“ Dort gestaltet Stadtpfarrer Christian Poschenrieder am Samstag, 6. Dezember, um 16.00 Uhr eine Nikolausfeier, zu der alle herzlich eingeladen sind.


