Veröffentlicht am 6. August 2026

Wasser: „Es wird eng!“

Wasserknappheit beunruhigt alle Gemeinden. Hitze und Dürre fordern die Versorgung und setzen der Landwirtschaft zu

Die Familie Kölbel aus Opponitz rettet Krebse aus ausgetrockneten Bachbetten. © Thijmen Piek

Ein Rundruf Anfang der Woche in allen Ybbstalgemeinden ergab ein ähnliches Bild: Noch schaffen die Wasserwerke die Trinkwasserversorgung, aber Wassersparen ist ein Gebot der Stunde. Die niederschlagsarme Hitze stresst die Wasserversorgung, lässt den Verbrauch emporschnellen und setzt den Grundwasserspiegeln zu. „Wir haben kein Problem, solange Waidhofen mit der Wasserlieferung kein Problem hat“, heißt es in Kematen. Die Gemeinde hängt wie Sonntagberg und Aschbach am Waidhofner Wassertropf. „Dass wir rechtzeitig einen Hochbehälter gebaut haben, erweist sich nun als Entscheidung zur richtigen Zeit“, weiß Ortschefin Juliana Günther. „Den vermehrten Verbrauch können wir nur mit Waidhofner Wasser ausgleichen“, sagt auch der Sonntagberger Bürgermeister Thomas Raidl.

Waidhofen fördert von 3.500 auf 8.000 Kubikmeter Wasser pro Tag

In Waidhofen beruhigt indes Wasserwerksleiter Markus Hochleitner: „Noch schaffen wir die Versorgung.“ Dass aber derzeit die Fördermenge von 3.500 auf 8.000 Kubikmeter pro Tag hochgeschraubt werden muss, um den eigenen Wasserdurst und den der Abnehmergemeinden zu stillen, ist ein Zustand, der nicht ewig gehen wird. „Es wird eng, wenn die Abnehmer zu weit über die vereinbarten Mengen hinausgehen“, so Hochleitner. In Allhartsberg bestätigt Amtsleiter Jürgen Waser, dass man am Wochenende erstmals aus dem Hochbehälter von Austria Juice umpumpen musste, um die sprunghaft steigende Entnahme auszutarieren. In Opponitz ist Bürgermeister Johann Lueger froh, dass man die wasserrechtliche Genehmigung für eine zweite Tiefbohrung in der Tasche hat. Der Ybbsitzer Ortschef Gerhard Lueger beobachtet den Grundwasserspiegel genau und fordert auf der Gemeinde-Homepage auf, sorgsam mit Trinkwasser umzugehen. In St. Georgen/Reith und Hollenstein orten die Bürgermeister Josef Pöchhacker und Manuela Zebenholzer, dass Bauernhöfe –wie in anderen Gemeinden auch – bereits von der Feuerwehr mit Wasser versorgt werden müssen.

Futterbörse wird eingerichtet

Schlimm steht es um die Futterversorgung des Viehbestands. Bauernvertreter Mario Wührer spricht von einer Katastrophe. „Wir müssen eine Futterbörse einrichten, damit alle mit ihrem Vieh über den Winter kommen!“ Er fordert eine temporäre Freigabe der freiwillig nicht bewirtschafteten Bio-Diversitätsflächen und eine vorzeitige Auszahlung der Ausgleichszulagen, um schon früher den Kauf von Viehfutter finanzieren zu können. „Es ist eine Ausnahmesituation, wie wir sie noch nie gehabt haben!“, so Wührer. Dass bereits private Initiativen ergriffen werden, um Wassertiere zu retten, zeigt ein Beispiel in Opponitz: Bianca Kölbel geht mit ihrer Familie Bachbette ab, um Steinkrebse zu retten. „Wir haben Krebse im trockenen Lucknbach gefunden. Wir versuchen die Tiere vor dem Austrocknen zu retten und bringen sie zu Stellen, wo noch etwas Wasser ist“, sagt sie.

Veröffentlicht am 6. August 2026

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