Veröffentlicht am 9. Januar 2026

Winterferien?

Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über Winterferien, Wortverdrehungen und Werteverlust

Am vergangenen Samstag um 6.04 Uhr hat mir der ORF das Frühstück verdorben. Ich hatte zuvor noch über meinem Leitartikel für diese Ausgabe gebrütet und mir Gedanken zu einem Jahresausblick zermartert, als in den Nachrichten der Ausdruck „Winterferien“ fiel. Winterferien? Seit wann gibt es neben den Weihnachtsferien und Semesterferien auch noch Winterferien? Ich muss vorausschicken, dass ich ein ausgesprochener Fan des Kultursenders Österreich 1 (Ö1) und meines „Mannes bei Ö1“ Andreas Mittendorfer bin, dessen unaufgeregte, brillant ausrecherchierte und sachlich so gut aufbereitete Reportage ich so sehr schätze.

Aber es ist kein Einzelfall. Schon zuvor hatte mich das Hohe Haus in Wien – das ich in den vergangenen fünf Jahren so sehr als Arbeitsplatz zu schätzen gelernt habe – auf seiner Homepage mit einer Aussendung zu den heuer erstmals stark eingeschränkten Öffnungszeiten zwischen Weihnachten und Dreikönig mit dem Ausdruck „Winterferien“ enttäuscht. Natürlich klärte sich in beiden Fällen schnell auf, dass mit den „Winterferien“ die „Weihnachtsferien“ gemeint sind. Diese heißen auch seit 1945 so, als im ersten Nachkriegswinter Bundeskanzler Leopold Figl seine berühmte Ansprache gehalten hatte, in der er sagte: „Ich kann euch zu Weihnachten nichts geben … kein Stück Brot, keine Kohlen, kein Glas … Glaubt an dieses Österreich!“. Seither gibt es auch Weihnachtsferien.

Nicht die Wintersonnenwende oder die Jahreszeit, sondern das christliche Weihnachtsfest und die seinerzeit langwierige Rückreise von Klosterschülern und Universitätsstudentinnen von den Studienorten zu ihren Familien waren der Grund für die Weihnachtsferien. Rentiere mit roten Nasen haben Esel und Ochs längst abgelöst, Rauchfangkehrer die drei Könige ersetzt, und Santa Claus läuft zunehmend dem Christkind den Rang ab. Da lobe ich mir die Kanzleramtsministerin für Europa, Integration und Familie Claudia Plakolm, die in jugendlicher Frische und oberösterreichischem Geerdetsein dem Nikolaus, dem Martinsfest und dem Christkind eine Bresche schlägt.

Die Semesterferien, möchte ich erinnern, wurden im Schuljahr 1973/74 als „Energieferien“ eingeführt. Auslöser war der „Ölpreisschock“, als ausgehend vom Jom-Kippur-Krieg arabische Öl-Förderstaaten ihre Exporte nach Europa drosselten und damit Ölpreisanstiege mit gravierenden Auswirkungen auslösten. Damals schloss man die Schulen, um auf der Höhe der Winterkälte Heizungskosten zu sparen. Die Klimaerwärmung hat diese Ferien nicht aufgetaut, sondern lapidar in Semesterferien mit großem touristischem Impakt umgeschrieben. Werden wir bald erleben, dass uns das offizielle Österreich auch die Osterferien als Frühlingsferien und die Pfingstferien in Anlehnung an ein schwedisches Möbelhaus als „Midsommerferien“ unterjubeln wird?

Am Ende der Weihnachtsferien wünsche ich Eltern und der Jugend drei ergiebige Schulwochen und dann sportliche Semesterferien. Nachdem ich wunderbare Weihnachts- und Neujahrskonzerte in Waidhofen, Ybbsitz, Hollenstein und St. Peter/Au genossen habe, die Sternsinger ihr „C+M+B – 2026“ an meine Tür geschrieben haben, und ich mit einer charmanten Gastgeberin bei einem Neujahrspunsch in Ybbsitz auf das neue Jahr angestoßen habe, bleibe ich aber positiv gestimmt und wünsche einen schönen Fasching, der nicht am 11.11. um 11 Uhr 11 begonnen hat, sondern erst frühestens nach dem Dreikönigsfest eintritt und am Aschermittwoch sein Ende findet. Viel Freude dabei!

Veröffentlicht am 9. Januar 2026

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