Veröffentlicht am 23. April 2026

Wunderbare Gerti Drassl

Als Auftakt zum Waidhofner Klangraum lud Thomas Bieber zu einer Reise zu Alice ins Wunderland, musikalisch wunderbar gestaltet von Maddalena Del Gobbo und Ewald Donhoffer

Nach der Premiere wurde gefeiert (v. l.): Musikwissenschaftlerin Anita Mayer-Hirzberger, Norbert Mayer, leitender Redakteur im Feuilleton der Tageszeitung „Die Presse“, Johanna Zugmann, Gerti Drassl, Maddalena del Gobbo, Ewald Donhoffer, Sparkassen-Mostviertelleiter Peter Redlingshofer, Klangraum-Intendant Thomas Bieber und Karin Schönegger (Leiterin Sparkasse Waidhofen) © Leo L.

Am Freitag, 17. April, verwandelte sich der Klangraum Waid­hofen in eine poetisch-musikalische Wunderwelt: Unter dem Titel „Alice im Wunderland“ erlebte das Publikum einen Abend, der Literatur und Barockmusik auf eindrucksvolle Weise miteinander verband. Im Zentrum stand die Schauspielerin Gerti Drassl, die mit großer sprachlicher Präzision und feinem Gespür für Ironie und Absurdität aus Lewis Carrolls berühmtem Roman las. Ihre Interpretation ließ die skurrilen Figuren und die traumartige Logik der Geschichte lebendig werden, ohne dabei ins Überzeichnete zu kippen. Drassl gelang es, sowohl die kindliche Neugier als auch die unterschwellige Melancholie des Textes herauszuarbeiten und so eine dichte, atmosphärische Erzählwelt zu schaffen.

Gerti Drassl, Ewald Donhoffer und Maddalena del Gobbo (v. l.) begeisterten das Klangraum-Publikum. © Leo L.

Brillant: Maddalena Del Gobbo und Ewald Donhoffer

Musikalisch wurde der Abend von Maddalena Del Gobbo an der Gambe und Ewald Donhoffer am Cembalo gestaltet. Mit Werken von August Kühnel, Marin Marais, Tobias Hume und Louis de Caix d’Hervelois spannten sie einen klanglichen Bogen durch die Welt der französischen und deutschen Barockmusik. Ihr Spiel zeichnete sich durch feine Abstimmung, klangliche Transparenz und stilis­tische Sicherheit aus. Besonders die nuancenreiche Dynamik der Gambe verlieh den Stücken eine erzählerische Qualität, die sich nahtlos mit den gelesenen Passagen verband.

Kulturstadträtin Gudrun Schindler-Rainbauer feierte mit Ewald Donhoffer, Maddalena del Gobbo (v. l.), Antje und Leopold Friesenegger und Gästen des Abends (v. r.). © Leo L.

Künstlerische Geschlossenheit

Das Zusammenspiel von Wort und Musik war dabei mehr als bloße Abfolge: Es entstand ein dialogisches Geflecht, in dem sich Literatur und Klang gegenseitig kommentierten und vertieften. Die musikalischen Einschübe wirkten wie emotionale Resonanzräume für die Textpassagen und eröffneten neue Perspektiven auf Carrolls vielschichtige Erzählung. Der Abend im Klangraum Waidhofen überzeugte durch seine künstlerische Geschlossenheit und die sensible Balance zwischen Lesung und Konzert. „Alice im Wunderland“ wurde von Gerti Drassl nicht nur erzählt, sondern erlebbar gemacht als Reise in eine Welt, in der Fantasie, Klang und Sprache auf besondere Weise verschmelzen.

Gerti Drassl war begleitet von ihrer Tochter Rosa Hajjaj zum Klangraum gekommen. Diese wird im Mai wieder – diesmal zu Dreharbeiten – nach Waidhofen kommen, wenn sie in der Serie „Soko Donau“ ein Mädchen spielt, das ihre Mutter verloren hat. © Leo L.
Veröffentlicht am 23. April 2026

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