Kommentar von Herausgeber Leo Lugmayr über Zukunftskonzepte in schwierigen Zeiten
Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat die Bregenzer Festspiele mit einem Aufruf zur „Zuversicht“ eröffnet. Schwelende oder offene gewaltsame Konflikte ließen die Zukunft der Menschheit ungewiss erscheinen, führte er aus: „So viele Krisen, man kommt ja gar nicht mehr nach mit dem Wegschauen.“ Er frage sich manchmal: „Wie lässt sich in all diesem Chaos noch irgendein Prinzip finden, an dem wir alle gemeinsam uns wieder aufrichten können und das uns hilft, Zuversicht zu entwickeln und den Mut, die Dinge anzugehen?“ Sein Rezept: Europa müsse seine eigene Sicherheit garantieren können und auch digital souverän werden. „Wenn wir schon mehr in unsere Verteidigung investieren müssen, und das müssen wir, dann bitte doch kooperativ und groß gedacht“, so Van der Bellen wörtlich. Europa sei ein unvergleichlich großartiges, strahlendes Friedensprojekt. „Das ist eine zivilisatorische Großtat, die wir verteidigen sollen!“
Hier könnte man freilich anmerken, dass einer der brutalsten Kriege der Welt seit Jahren auf europäischem Boden geführt wird. Der flächenmäßig größte europäische Staat führt mit dem zweitgrößten europäischen Land, der Ukraine, einen Zermürbungskrieg. Wenn man schon in interessanten Zeiten lebe, liege es an uns, das positiv zu sehen, „als etwas, das uns dazu bringt, etwas Neues zu lernen über uns und die guten Seiten des Menschseins. Zu diesen guten Seiten gehören mit Sicherheit Kunst und Kultur“, so der Bundespräsident. Er schloss: „Festspiele, wie hier in Bregenz, haben einen enormen Wert für unser Land.“
Bei der Kultur gebe ich dem Herrn Bundespräsidenten uneingeschränkt recht, da bin auch ich voller Zuversicht. Auch das Ybbstal trägt ja das Seine zum österreichischen Hochkulturbetrieb bei. Bei den Bregenzer Festspielen ist die Region mit dem Geiger Stefan Pöchhacker, dem Klarinettisten Reinhard Wieser, dem Hornisten Peter Dorfmayer und anderen vertreten. Auch hinter der Bühne ist Waidhofen in Bregenz etwa mit einem aufstrebenden Tonmeister aktiv. Nicht nur in Bregenz, auch in Salzburg, wo Percussionist Gabriel Vogelauer im Radio-Symphonieorchester das Eröffnungskonzert der dortigen Festspiele mitgestaltet hat, spielen hiesige Musikerinnen und Musiker groß auf. Schwerer tue ich mir mit der Zuversicht aber beim müden Wirtschaftswachstum, beim EU-Defizit-Verfahren, bei der Finanzierung der zusätzlichen Ausgaben für das Bundesheer, die wir laut Van der Bellen brauchen, bei der dringend nötigen Bildungsreform und bei den hurtig steigenden Pensionskosten.
Natürlich ist Krankjammern, das wir Österreicherinnen und Österreicher so gerne tun, kein Zukunftskonzept. Ob allerdings „Gesundbeten“ im Sinne „Habt Zuversicht!“, wie das das Staatsoberhaupt in der angesprochenen Rede getan hat, allein schon als wirksames Medikament gegen die aktuellen Probleme ausreicht, sei dahingestellt. Dem Rezept, das Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer am Samstag im Ö1-Mittagsjournal dem Land verschrieben hat, kann ich schon mehr „Zuversicht“ abgewinnen: Entfesselung der Wirtschaft durch Verwaltungsvereinfachung, mehr Vollzeitarbeit, höhere Leistungsbereitschaft, wenn sich Leistung mehr lohnt, Teilzeitpension und das Attraktiveren von Arbeiten in der Pension. Wenn das gelingt, dann bin ich sogar „voller Zuversicht“, dass sich Österreich selbst – wie der Baron von Münchhausen – am eigenen Kragen aus dem Schlamassel zieht. Denn, was Österreich immer wieder bewiesen hat, ist, dass wir Unglaubliches zustande bringen können, wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen; alle Österreicherinnen und Österreicher und alle, die hier leben, wie es Van der Bellen so gerne formuliert, dann: Zuversicht, ja!

