Der Ybbstaler

„Waidhofen first!“
Auch wenn viele überrascht sind vom Rücktritt des Waidhofner Bürgermeisters und Wolfgang Mair nicht den Eindruck eines nach 16 Jahren in der Kommunalpolitik ausgebrannten 65-Jährigen macht, so ist sein Entschluss, sich jetzt aus der Politik zurückzuziehen, für mich nachvollziehbar und letztlich auch vernünftig. Auch Politiker haben ein Privatleben, haben Familie, Kinder und Enkelkinder, haben Hobbys und Freizeitinteressen, die nicht ständig der Staatsräson, im konkreten Fall der Stadträson, untergeordnet sein wollen.
Ein Rückblick auf die Bürgermeisterjahre Mairs zeigt, wie viel sich in der Stadt getan hat und wie vieles davon seine Handschrift trägt. Ganz anders als sein „Turbo-Vorgänger“ Wolfgang Sobotka pflegte Mair einen anderen, ruhigeren Arbeitsstil, der aber durch Konsequenz – manche mögen sagen Beharrlichkeit oder gar Sturheit – ebenfalls sehr erfolgreich in der Umsetzung vieler Projekte war. Ich weiß nicht, ob ein anderer an der Stadtspitze den Gegenwind in Sachen „Kubus, nein Danke“ standgehalten hätte. Mair war überzeugt, dass diese Form der Umgestaltung des Rothschildschlosses durch Architekt Hollein die richtige ist und hielt Kurs, auch wenn viele Zuflüsterer schon meinten, man solle doch wegen „dem“ die politisch-gestalterische Kraft der WVP nicht aufs Spiel setzen. Nicht so mit Wolfgang Mair, der den Kubus oben und die UWG erstarkt ins Stadtparlament einziehen ließ. Das mag man politisch als Fehler sehen, für die Stadtentwicklung war es aber ein wichtiges Standhalten und ein Verhindern ins Abgleiten in die Beliebigkeit.
Mit diesem neuen gläsernen Wahrzeichen am Schlossturm steht überhaupt eines der wichtigsten Ereignisse der jüngeren Stadtgeschichte, die Landesaustellung 2007, in enger Verbindung. „Feuer & Erde“ war sicher das Ereignis in der „Ära Mair“ und ein Turboschub für die Stadt. Natürlich fiel die Entscheidung pro Waidhofen im Landhaus in St. Pölten und dort hatte und hat die Stadt ja wohlwollende und letztlich auch einflussreiche Unterstützer. Der Part Mairs war dabei sicher jener des überzeugenden Netzwerkers, der die Kontakte im Sinne seiner Heimatstadt pflegte, eines Lobbyisten in Sachen „Waidhofen first!“. Die Achse Pröll – Sobotka – Mair war nie eine zulasten der Stadt, sondern stets zuguns­ten Waidhofens und letztlich der gesamten Region. Die Liste der Projekte, die in seiner Amtsperiode umgesetzt wurden, haben wir abgedruckt und zeigt die Breite und Vielfalt der Stadtentwicklung. Kritiker mögen nun kontern und die Verschuldung der Stadt ins Spiel bringen. Das ist sicher ein wichtiges Argument und auch als solches eines der aktuell drängendsten Probleme der Stadt. Nur war es eine liederliche Kommunalpolitik, die das Geld verschwenderisch zum Fenster hinaus warf, oder war es nicht doch die weltweite Wirtschaftskrise 2008, die die Einnahmen aus der Kommunalsteuer implodieren und die Ertragsanteile seitens des Bundes drastisch versiegen ließ?
Ich denke nicht, dass man Mair vorhalten kann, er habe diese Suppe seinem Nachfolger Krammer eingebrockt und dieser haben sie nun auszulöffeln. Unter Bürgermeister Mair ist enorm viel für die Stadt geschehen und jetzt ist eben eine Phase der Konsolidierung angesagt. Man wird sehen, wie die „Ära Mair“ einmal von Historikern bewertet wird.
Ich denke, dass man aber heute schon sagen kann, dass Wolfgang Mair ein wichtiger und großer Bürgermeister in der langen Stadtgeschichte sein wird.

Fritz Stummer